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MS 311 - Brentano I : [Allgemeine Volkswirtschaftslehre] ; [Vorlesungsskript WS 1910/11]
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1/3 von diesen innerhalb der letzten 20 Jahre hinzugekommen. Die Län-der ,in denen trotz hoher Geburtenziffer geringe Bevölkerungszunahmestattfand, sind Länder grosser Unkultur. Insbesondere solche, in denenkeine oder nur ungenügende Fortschritte in der Technik und ökonomischenWirtschaftsorganisation Eingang gefunden haben. Wenn die Wirtschaft kei-nen Fortschritt macht, dann gibt es keine Zunahme der Produktion unddann findet der neu Hinzugeborene nur Platz, wenn ein anderer fort-geht. Unter solchen Verhältnissen vermehren sich die Menschen rascherals die Nahrungsmittel, hier ist Malthua'Lehre anwendbar* was bei dermangelhaften Technik nicht ernährt werden kann, wird wieder hinwegge-rafft. Dasselbe ist natürlich auch auf europäischen Länder anwendbar,die sioh gegen technische und ökonomische Fortschritte wehren; BelegFrankreich( vgl. auch Tab. XVI über die Kindersterblichkeit).

Angenommen die Völker Europas nehmen in demselben Masse zu,wie in den letzten 20 Jahren, dann käme nach Ablauf von 105 Jahren,also anno 2011 auf jeden qm der Erde ein Mensch europäischen Ursprungs;rechnet man aber auch die Völker nicht europäischen Ursprungs so wäreweit eher die Erde so dicht bevölkert. Aber der Mensch trägt in sichselbst das Korrektif* denn der zunehmende Wohlstand hat nicht zu ei-ner Zu- sondern zu einer relativen Abnahme der Geburten geführt undwenn die europäischen Völker derartig zugenommen haben, so ist das nurder noyh bedeutenderen Abnahme der Sterbeziffer zuzuschreiben. Wäh-rend aber die Geburtenziffer immer mehr fallen wird, ist die Abnahmeder Sterbeziffer nicht in infinitum zu steigern. Geburten und Sterbe-ziffer werden sich immer mehr nähern, bis ein Stillstand in der Be-völkerungazunahme eintritt. Bevor aber dieses Stadium erreicht ist,da gilt es dem eigenen Volkstum den grössten Anteil zu sichern, dennhievon hängt die Stellung ab, dis uns im Kreis der Völker zustehen

wird. ^