125
(Au« dem in der letzten Nummer bereits benutzten Schreiben des Scerclärs des heiligen Landes, Paier
Johann, clil. Jerusalem 8. April 1350.)
Der Geist Gottes hat zu allen Zeiten wunderbar auf das Menschcnherz gewirkt,und fährt zu deren Heil fvrt zu wirken. Dieses gestehen hier Jene, welche unS, wieder Kirche GotteS, früher fremd waren. Ich bin ermächtiget sie zu nennen. HerrFranz Ansclm Lair Patterson, Professor am DreieinigkeilS-Collcginm zu Oxford, undHerr Franz Maria Vymon, Mitglied deö Kollegiums der Verstorbenen daselbst, beidesehr bekannte und würdig geachtete Zöglinge der Orfordcr Universität, deren heutigerreligiöser Geist aller Welt bekannt ist, legten bei uuö ihr katholisches Glaubensbekennt-nis) ab. Ich genoß die Gelegenheit, mit ihnen zumeist zu convcrsircn, und sie theiltenmir mit, wie sie auf ärztlichen Rath die Wiederherstellung ihrer körperlichen Gesund-heit ans Reisen gesucht, und Gott sey gedankt, gefunden. Beide waren schon daheimvon den katholischen Grundsätzen durchdrungen, und von dem Verlangen der Rückkehrin die wahre Kirche beseelt. In Egypten angelangt fühlten sie ihre Gesundheit schonvollständig consolidirt. Auf der Nilfahrt besprachen sie sich eines TageS über Religion,das dringlichste Anliegen ihreö HcrzcnS. Dieser Fluß, sagte Patterson, wie daö Meer,der milde Himmel, die reine Luft, die reichlichen Reiseerfahrungen, o Gott, wiewunderbar haben diese zur Wiederherstellung unserer Kräfte beigetragen! Nun befin-den wir uns schon wohl; wenn unS aber Gott in dem heiligen Lande noch mit derWohlthat der Religion beschenken würde, wer wäre glücklicher denn wir beide! —In der Vorosterfastcn hierorts angelangt hatten sie sich dem hochwürdigen CnstoSmit dem Bemerken vorgestellt: „sie seyen zwar Protestanten, wären aber Freunde derKatholiken." Von jenem Augenblicke an besuchten sie die heiligen Stätten Jerusalems fleißig, wobntcn unsern gottesdienstlichen Handlungen immer an, unterließen aberkeine einzige in der Charwoche; und waS war der Erfolg davon? Jener, daß sieunmittelbar nach Beendigung der Charfreitagöprocession dem P. Custoö melden ließen,sie seyen nicht mehr protestantisch, sondern schon katholisch und wünschten mir derkatholischen Kirche förmlich einverleibt zu werden. Da man nach gepflogenen Unter-redungen, Prüfungen und nachträglichem Unterrichte die vollkommene Ueberzeugungvon dein wahren Berufe, von der tiefen Gelehrtheit, von dem vollkommenen Einver-ständnisse mit den katholischen Dogmen und dem festen Glauben an dieselben gewon-nen hatte, ward ihre Bitte endlich gewährt. Die Rückkehr so gebildeter und ausge-zeichneter Individuen hatte in Jerusalem ungemeine Sensation erregt. Zu mir sprachgleich bei ihrem Anlangen eine innere Stimme, daß tiese Herren in ihrem Innerenkatholisch sind; denn ich bemerkte eine seltene Unschuld auf ihrem Antlitze, alles Tugend-hafte in ihren Handlungen, Kenntniß und Weisheit in ihren Worten. Wenn SilviuSPellico spricht: „O! wie tröstend und geisteöcrhebend ist eine wahrhafte Rückkehr zurReligion!" so hatte ich Grund, mich zu freuen; wie sich aber die Nückgekehrten selbstfreuten, gaben ihre Dankcswortc an den P. Custos nach Vollendung der heil. Hand-lung zu erkennen, welche sie, von süßer Rührung ergriffen, und freudestrahlend mitdiesem Ausdrucke beschlossen: „als wir das erstemal zu Ihnen hincintraten, war unser Herznoch ziemlich ferne von Gott ; heute aber haben wir Ihn in uns; gebcnedciet in Ewigkeit."
Noch glaube ich erwähnen zu dürfen, wie der Protestant I. Spencer Nonlhvte,auS Philadelphia, im Begriffe, sich von dem hochwürdigcn P. Custoö zu verabschieden,sich in meiner Gegenwart ausgesprochen: „Ich schcive von Jerusalem , dankerfülltfür Ihre Aufmerksamkeiten, und noch dankbarer für Ihre Feierlichkeiten dieser Tage.Ich wünsche Ihnen Glück da-,», und empfehle mich Ihrem Gebete, auf daß der inmir gefaßte Beschluß, zum Katholicismus überzutreten, in Erfüllung gehen könne.Es wäre mir auch lieb gewesen, hier, auf dem Grabe des göttlichen Erlösers, denIrrthum abzuschwören; ich habe aber aus guten Gründen beschlossen, diesen Act inmeiner Heimat, von der ich bereits zwei Jahre entfernt bin, zu vollziehen. BetenSie also, auf daß mir diese Gnade von Gott werde. Ich habe den Entschluß gefaßt.Ihre Charwoche hat die letzte Hand anS Werk gelegt." Und hiermit trat er ab.