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sondern Bezeichnung für eine ganze Landschaft, die sichvon der Station Laret der Landquart-Davoser Bahnzwischen den Bergen der Strela- und Scaletta-Kette ungefähr 2 Stunden südwärts ausdehnt und ineine enge Schlucht ausmündet, welche kaum noch Platzfür den Fluß und die Straße gewährt, so daß man ge-nöthigt war, an mehreren Stellen für die PoststraßeTunncle durch die steil aufsteigenden Felsen zu führen.In dieser Landschaft liegen die Orte: Laret, Wolfgang,Davos-Doif, Davos -Platz, Clavadet, Frauenktrch, Spina-bad, Glarus und Monstein, alle Davos zubenannt.Centrum der ganzen Landschaft, Sitz der Behörden undzugleich Hauptkurort ist Davos-Platz, auch Davos am Platz genannt. Davos -Dörflt, das übrigens seitJahresfrist seinen Namen offiziell in Davos -Dorf um-geändert hat, liegt von Davos -Platz eine gute halbeStunde entfernt, ist aber durch eine Reihe neuentstan-denener Villen fast mit letzterem zusammengebaut. Esist, da es billigere Preise und mehr Sonne hat alsDavosPlatz, ebenfalls viel von Kurgästen besucht. Dorfund Platz sind außer durch die Bahn auch noch durcheine stündlich verkehrende Pferde-Tram verbunden. Auchin Clavadet hallen sich Sommer und Winter Kurgästeauf, Frauenktrch und Spinabad find nur im Sommerbesucht. — Die Davoser Landschaft ist durch ihre eigen-artige Lage zu einem Kurort für Lungenleidende wie ge-schaffen. In Folge der hohen Lage (1560 na. über demMeere) ist die Luft außergewöhnlich rein und klar,würzig und kräftig. Da ferner das Thal gegen 10 Mi-nuten breit ist, eine Breite, wie sie bei einem solchenHochthal geradezu auffallend ist, so scheint auch die Sonneviel länger als in den andern, meist sehr engen Hoch-thälern. Die Niederschlüge find verhältnißmäßig selten,weshalb der Davoser Winter eine so große Reihe schöner,sonniger Tage ausweist, wie man sie sonst nur im Südenzu finden gewohnt ist. Hiezu kommt, daß Davos sehrgut gegen Wind geschützt ist. Im Norden ist dem Thaldas mächtige Nhätikon und die Schlappinerkette vorge-lagert, im Osten und Westen steigen die Berge der Al-bula- und Strelakette noch um weitere 1100 m. überdie Thalsohle, also bis zu einer Höhe von 2700 m.empor, während die im Süden das Thal abschließendenBerge bis zu 3100 m. aufragen. Demnach kann be-züglich der windgeschützten Lage nicht leicht ein andererKurort Davos an die Seite gestellt werden. Hiezu ge-sellt sich noch ein anderer Vortheil. Der Thalwind wehtin Davos , wie durch genaue Beobachtungen der dortigenmeteorologischen Station erwiesen ist, fast immer aus Nord-Ost, und diesem Umstand Rechnung tragend, find dieBalkons, Terrassen und Liegehallen für die Kranken ander sonnigen Südseite der Häuser angebracht, so daß dieKranken, auch wenn der Wind weht, von ihm völlig un-behelligt auf den Balkons die frische Luft genießen kön-nen. Ein geradezu unschätzbarer Vortheil von Davos ,als Winterkurort betrachtet, ist seine absolute Staub-freiheit. Gewöhnlich um die Mitte November schneit esin Davos zu, und dann bleibt der Schnee liegen biszum April, auch bis in den Mai hinein. Der Schneefällt oft in großen Mengen und schwankt die Tiefe derSchneedecke zwischen */z und 1?/z Meter. Ausnahmsweiselag auch schon über 2 Meter Schnee in der Thalsohle.Um die Straßen und Wege gangbar zu erhalten, wirdder Schnee mittels großer, schwerer Walzen festgewalzt,und auf den so hergestellten Wegen geht man dann wie
auf einem festen Trottoir. Von dem im Tiefland oftso lästigen Thauwetter, das die losen Schneemassen introstlosen Morast verwandelt, ist man in Davos denganzen Winter verschont. Es thaut nicht auf bis zumFrühjahr. Regen ist im Winter äußerst selten, auf jedenFall viel seltener als Schnce im Sommer. Nebel ist sogut wie unbekannt. Wer einmal einen Winter im viel-gerühmten Süden zugebracht und die mächtigen Staub-wolken gesehen und verkostet hat, die dort der Wind vonden schncelosen Straßen aufjagt, der weiß die dauerhafteDuvoser Schneedecke zu schätzen.
Die eben als ein Vorzug bezeichneten Davoser Schneeverhältnisse möchten vielleicht in manchem Leserdas Bedenken wachrufen, ob denn unter solchen UmständenDavos nicht zu kalt sei für Lungenleidende, die be-kanntlich wenig Körperwärme besitzen und doch, um zugenesen, sich viel im Freien aufhalten sollen. DiesesBedenken ist unbegründet. Trotzdem Davos notorisch einkaltes Klima hat, können die Kranken daselbst ebensolange, ja noch länger im Freien sein als an den Kur-orten des warmen Südens. In Meran , Bozen und an-dern südlichen Kurorten können die Kranken im Winternach Sonnenuntergang nicht mehr ohne Nachtheil imFreien sein, weil der Temperaturunterschied zu groß ist;im kalten Davos kann man die Kranken selbst in denkältesten Monaten Januar und Dezember auch nochabends nach Tisch in den elektrisch beleuchteten Straßenpromenieren oder auf den Balkons und Terrassen liegensehen. Nur unmittelbar nach Sonnenuntergang ist esanfangs rathsam, sich auf eine halbe Stunde ins Zimmerzurückzuziehen. Nach längerem Aufenthalt ist auch dasnicht mehr nothwendig. Das ist eine Folge des eigen-artigen Davoser Klimas. In Folge der klaren, trockenenLuft erträgt sich die Kälte in dieser Höhe viel leichterals im Tiefland. Aus gleicher Ursache sind die Sonnen-strahlen viel stärker und wirkungsvoller, zumal sie durchdie Schneedecke allenthalben zurückgeworfen werden. Daherdenn die eigenartige Erscheinung, daß die Kranken inDavos an Tagen, wo das Thermometer in der voraus-gehenden Nacht auf 25 und mehr Centigrade unter Nullgesunken war, während der Dauer des Sonnenscheinsohne Ueberrock auf den Balkons sitzen können. Auch dieKurmusik spielt an den meisten Tagen im Freien, in deroffenen Wandelbahn des Kurhauses, und die Kurgästesitzen umher auf Stühlen und Bänken, die im Schneeaufgestellt sind, und diejenigen, welche auf den sanft an-steigenden Wegen der sonnigen Berghalde promeniren,können, wenn sie sich müde fühlen, unbedenklich stunden-lang auf den angebrachten Ruhebänken sitzen, die rings-um von gewaltigen Schneemassen umgeben sind. Die-jenigen aber, welche schwerer krank sind oder denen derArzt wegen Fiebers das Gehen untersagt hat, liegen soziemlich den ganzen Tag auf ihren Balkons auf be-quemen Krankenstühlen, und während die Beine und Füßesich die Einhüllung in warme Decken gerne gefallen lassen,bedarf es eines Sonnenschirmes oder Vorhanges, um Kopfund Oberkörper vor den Sonnenstrahlen zu schützen. Auchim strengsten Winter kann man sich der Davoser Sonnemit einem Filzhut auf dem Kopf nicht lange schutzlosaussetzen, ohne sie lästig zu finden. Deshalb tragen dieKurgäste auch im Winter gerne den Strohhut, der sichneben dem Pelz allerdings recht komisch ausnimmt.
So vereinigen sich eine Reihe von Umständen, welchees den Kranken ermöglichen, den größten Theil des Tages