Ausgabe 
(31.12.1896) 109
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840
 
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Weinstein verdunsten und schüttet den Bodensatz aufbrennende Kohlen, so wird uian deutlich den Harzgeruchwahrnehmen. Sogar mit gebrannten Knochen und Erdewird zuweilen das Wachs vermischt. Durch eine solcheBeimengung werden die Kerzen auffallend spröde; legtman ein Stückchen davon in Terpentinöl, so löst dasreine Wachs sich auf, die beigemischten Substanzen abernicht. Wie den Honig, so vermischt man auch das Wachsam häufigsten mit Mehl. Mischt man ungefähr denvierten Theil Mehl unter das Wachs, so wird letzteresnicht mehr auf dem Wasser schwimmen. Bricht man dieKerze, so hat daS Innere derselben ein körniges Aus-sehen. Auch sind solche Kerzen gar nicht zähe. Legtman ein Stück davon in Terpentinöl, so löst das Wachssich auf, und eS bleibt ein weißer Bodensatz übrig.Schwieriger ist die Verfälschung des Wachses mit Parasfinfestzustellen. In einer Verordnung des bischöflichen Or-dinariats zu Negensburg heißt es darüber: »Man über-gießt in einer Porzellanschale ein etwa nußgroßes WachS-stück mit rauchender Schwefelsäure und erwärmt eS, wo-bei die Masse sich schwärzt und unter starker Gasent-wickclung sich aufbläht. Hört die Gaseniwrckelung, welcheum so stärker ist, je weniger Paraffin vorhanden, auf,so erwärmt man sie noch einige Minuten und läßt siedann erkalten. War das Wachs mit Paraffin verfälscht,so findet sich dieses dann über der schwarzen Flüssigkeitals erstarrte, durchscheinende Schicht, die leicht aufge-hoben werden kann." Ein Zusatz von Wasser, welchesetwa beim Erstarren unter das Wachs gerührt wurde,um das Gewicht zn vermehren, tritt beim Schmelzen zuTage. Wie in der gottesdienstlichen Feier der Kirche, sofinden auch in der Privat-Andacht des Volkes die Wachs-kerzen eine reiche und fromme Verwendung. In manchenGegenden tragen die Kommunionkinder am weißen Sonn-tage bei der kirchlichen Feier Wachskerzen in der Hand,die ihnen auch wohl von ihren jüngern Geschwistern undGespielen vorausgetragen werden. Die sinnbildliche Be-deutung des brennenden Wachslichtes ist eine reiche; derhl. Karl Borromäus gibt davon folgende schöne Bedeu-tung: »Durch die brennende Wachskerze werden diedrei göttlichen Tugenden versinnbildet: daS Licht der-selben bedeutet den Glauben, die Wärme zeigt die Liebe !an, und die stets aufwärts strebende Flamme ist einSinnbild der christlichen Hoffnung, die immer zum Himmelihr Verlangen erhebt, wo ihre Güter sind." In dergriechischen Kirche trugen Braut und Bräutigam amHochzeitstage Wachskerzen, die sie vor dem Altare an-einander anzündeten, nachdem der Bräutigam die setnigean der ewigen Lampe angezündet hatte. DaS bedeutete,ihre gegenseitige Liebe soll die höhere Weihe von demHeilande empfangen, der durch das ewige Licht ange-deutet ist. Der Psalmist nimmt das schmelzende Wachsals Gleichntßbild des reumüthigen Herzens, in dem derStolz und der Trotz der Sünde zergeht. (»6or eon-tritum quasi vsrs, liqusssens", »Ein reumüthiges Herzist wie schmelzendes Wachs".)

Um anzuzeigen, daß eine Kirche vom Bischöfe con-secrirt ist, pflegt man an den Wänden zwölf Kreuze,möglichst gleich weit von einander, zu malen, zur Er-innerung an jene, welche der Bischof bei der Weihe andiesen Stellen mit dem heiligen Chrysam gemacht hat.Der Zwölfzahl wegen heißen sie Apostelzeichrn. Sinn-reich stellten die Alten hier eine segnende Hand dar,welche ein Kreuz hält; die Lage der Hand folgt dem

Gange deS weihenden Bischofs. In der Regel bestehtdas Weihezeichen aus einem rothen oder goldenen Kreuzein einem verzierten Kreuze oder Vierpasse; in den Randdesselben sind wohl die zwölf Artikel des apostolischenGlaubensbekenntnisses geschrieben. Vor diesen Weihe-zeichen sind Armleuchter angebracht, die den NamenApostelleuchter" führen. Am Kirchweihfeste werdenWachskerzen, die oft mit religiösen Bildern bemalt find,daraus angezündet.; sie deuten das Licht des christlichenGlaubens an, das die Apostel des Herrn in die Finster-niß des Heiden thums trugen und in alle Welt ver-breiteten.

Die Opferung der brennenden Kerze durch diejenigen,welche eine Weihe empfangen, an den' consecrirendeuBischof ist eine sinnige Ceremonie, andeutend, daß siealle sein wolle», was von dem hl. Johannes dem Täufergeschrieben steht: »I^noorns Inesus et nrens" (EineLicht und Wärme spendende Leuchte"). Um an denOpfertod Christi zu erinnern, ist an den Wachskerzenwohl die Devise angebracht: .'»^tüs lucens nror, inservisnäo nliis oonsurnor" (»Andern leuchtend, anderndienend, verzehre ich Wich"). Die Osterkerze bedeutetnach den Worten der Weihe die feurige Säule, die demVolke Gottes auf dem Wege durch das rothe Meer unddie Wüste leuchtete eS und aus der ägyptischen Gefangen-schaft in das gelobte Land geleitete. Auch Christus führtzu Ostern aus Nacht zum Lichte, aus Tod zum Leben.Es ist also die Osterkerze ein Symbol des auferstandenenHeilandes. Aus dem vom Papste geweihten Osterkerze»--Wachs werden die ^.Fnus vsi geformt, so genannt,weil sie mit dem Bilde des Osterlammes geschmückt sind.In alter Zeit pflegten die Kinder ein Lgnus vsi aufder Brust zu tragen, das sie an die Tausunschuld er-innern sollte.

Die Wachszieher verehrten als Patronin die heil.Jungfrau Maria , die als Kind im Tempel Goit diente,und feierten am Feste Maria Opferung ihr Patronsfest.Andere erklären das Patronat u-s symbolischen Gründen,indem sie sagen:Die Lebküchner und Ltchterzieher hattendie allerseligste Jungfrau Maria als ihre Patronin er-wählt als die Mutter des Heilandes, die aller SüßigkeitQuelle und das Licht der Welt ist." Patron der Imkerist der hl. Bernhard, äootor mslliüiius genannt, derauf seinen Bildern den Bienenkorb als Abzeichen hat;in Oesterreich ist der hl. Ambrosius, der dasselbe Ab-zeichen hat, Patron der Wachszicher, wie DompropstZenotty in St. Polten mittheilt.

Auf Kirchenbildern ist die brennende Kerze das Ab-zeichen der Heiligen Arradius, Blastus, Donatns, Geno-vefa von Paris und Brigittn; das erklärt sich aus ihrenLegenden. Der hl. Bischof BlaftnS (3. Februar -f- 316)trägt auf seinen Bildern zwei Kerzen, die kreuzweiseübereinander gelegt sind. Das ist ein Hinweis auf denBlasius-Segen und erinnert zugleich an den Bericht derLegende, welche erzählt, daß eine mitleidige Frau, derenWohlthäter er gewesen, in seine dunkle Kerkcrzelle zweiWachskerzen brachte. Auf den Bildern der DarstellungJesu im Tempel steht neben dem hl. Greise Simeongewöhnlich ein Knabe, der eine brennende Kerze in derHand hält. DaS ist ein Hinweis auf die prophetische«Worte Simeons, der den Heiland ein Licht zur Er-leuchtung der Heiden nannte (Innren act rsvelationsMALNtinru"). (Köln . Volksztg.)