Ausgabe 
(31.12.1896) 109
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sich mit Freude und Ausdauer Tag für Tag bis aufdas letzte Körnchen holten. Es störte sie gar nicht, wennich einmal nahe daneben stand. Auch ich ward diese kleinenkecken Gesellen so gewohnt, daß es mir gar nichts machte,Morgens von ihrem Gezeter geweckt zu werden, wenn icheinmal vergessen hatte, daS Futter hinzugeben und siestürmisch ihren Morgenimbiß verlangten. Das war nunfreilich nichts Außergewöhnliches, nur das Gebaren einesder Sperlinge war wirklich rührend; wo ich nun gingund stand, wo immer ich mich im Garten niederließ, derSpatz war überall, er folgte mir überallhin. Saß ich zu-weilen ganz gedankenlos an einer schattigen Stelle, einFlattern, ein Schwirren, richtig, der Spatz saß auf einemZweige ober mir oder auf der Lehne der Bank nebenmir. Legte ich dann knapp vor mir Futter hin, er holtefich's ohne Scheu. ES klingt vielleicht nicht glaublich,aber es ist wahr, dieser Vogel folgte mir auf diese Artoft eine Strecke weit auf meinen Spaziergängen in denWald. Ich kam zur Ueberzeugung, daß mich dieser Vogelan der Stimme erkannte, denn ich durfte nur irgendwosprechen, so war er unvermeidlich da.

Dieses Thier war mir so lieb geworden, ich hattemich so an seine Gesellschaft gewöhnt, daß ich eines Tagesmit wirklichem Bedauern wahrnahm, daß er mir und derFutterstelle untreu geworden, oder daß irgend etwas demkleinen Spatzengeschicke in die Quere gekommen; dasdauerte so etwa eine Woche, ich glaubte meinen Freundschon verloren, als mich eines Tages ungewöhnlichesSpatzengezeter im Hofe ans Fenster lockte. Ah, da warer wieder und dazu mit einem halben Dutzend junger,schreiender, hungriger Sprößlinge, die mir meine Freundinoffenbar beim ersten Ausflüge mit stolzem Lärm präsentirte.Die Freundschaft ward wieder erneuert, alle Augenblickekam die Spatzenclique ans Fenster.

Dies dauerte bis zum Herbste, wo die Besuche dannwieder jäh abbrachen.

Alle Winter errichte ich im Hofe eine Futterstellefür die armen kleinen Sänger, welche immer auf daslebhafteste von allen zurückbleibenden Vogelgattungen be-sucht wird. Heftige Kämpfe setzt eS oft ab zwischenMeisen und den so bekannten streitsüchtigen Bergfinken,welche schaarenweise herkamen und selbst mit der großenSchwarzamsel sich in Streit einließen. DaS große Wortan dieser labls ä'stöts aber führte und behauptete eineSpatzenfamilie; ob eS meine alten Freunde waren, ver-mag ich mit Sicherheit nicht zu sagen. (Grazer VolkSbl.)

-SLZMS-

Das Wachs.

Das Wachs ist der Baustoff der Waben; nach demAuslasten des Honigs wird es durch Einschmelzen derWaben in siedendem Wasser von Unreinigkeiten getrenntund in Scheiben oder Brode gegossen. Dieses soge-nannte Stroh- oder GclbwachS (esrrr Lava) besitzt kör-nigen Bruch, riecht nach Honig und ist in der Handknetbar. Durch Bleichen wird das GclbwachS in weißesWachs verwandelt. Um den aus ceru aidu hergestelltenWachskerzen die Brüchigkeit zu nehmen, wird ihnen einkleiner Talgzusatz beigemengt (5 pCt.).

Das Wachs fand bei den Malern Verwendung inder sogenannten Enkaustik, indem die Farben mit Wachsangemacht und dann mir heißen Walzen eingebranntwurden. Diese Art von Malerei war schon den Griechenund Nömcrn bekannt und wurde im frühen Mittelalter

viel geübt; vorn Anfange des 15. Jahrhunderts ankommt sie seltener vor. Eine andere Kunstübung ist dieCeroplastik, die Wachsbildnerei, die oft bei den Vottv«bildcrn angewendet wurde. Modelliren und Bilden inWachs war besonders zur Zeit der Renaissance in Italien beliebt, wo die Bildner nicht nur ihre Skizzen in Wachsausführten, sondern auch Büsten und Portrait-Medaillon?darin bossirten.

Von alterSher hat die Kirche lauteres Bienenwachsals Lichistoff für die bei der Feier des Gottesdienstesgebrauchten Kerzen ausgewählt und vorgeschrieben. DaSgeschah vorzüglich aus mystischen Gründen; schon Ama-larius (äo aaeles. vtiioüs 1, 14) sagt mit Berufung aufGregor den Großen: Lara Ostristi lmmaniimtsin äa-siZinit (das Wachs bedeutet die menschliche Natur Christi).Zur Zeit des hl. Opfers müssen nach kirchlicher An-ordnung wenigstens zwei Kerzen, und zwar Wachskerzen(luining, eoraa), ans dem Altare brennen. Auch dieKerzen, welche am Lichtmeßtage geweiht und durch einestöQöäiobw constitutivL dauernd für den gotteSdienst«lichen Gebrauch bestimmt werden, müssen von Wachssein, wie schon die Worte der Weihe voraussetzen. DaSWachs für die Kerzen soll rein und unverfälscht und inder Regel weiß fein; nur ausnahmsweise, z. B. für daSTodten-Officinm, ziemen sich Kerzen von gewöhnlichem,ungebleichtem Wachs (ex oera communi ssu Lava).Im Mittelalter waren die Kirchen mit Sorgfalt daraufbedacht, reines Wachs für den gotteSdienstlichen Gebrauchzu erhalten. Die Landleute, welche in den Schutz (uävo-vntis, Vogtei) einer Kirche oder eines Klosters sich be-geben hatten, lieferten alljährlich als Zins das Wachsfür den gottesdienstlichen Gebrauch der Kirchen; sie heißendavon in den Urkunden und Rechtsbücherncereoasn-snnlss" (wachszinsige Leute"). Das Wort Kerze istausoers." (Wachs) entstanden. Der Ursprung desWortes ist in der Erinnerung des Volkes nicht lebendiggeblieben, sonst hätten sich nicht Ausdrücke wie Talg-kerze, Stearinkerze bilden können.

Bei dem verhältnißmäßig hohen Preise, den daSWachs besitzt, kommen nicht selten Verfälschungen vor.Reine Bienenwachs-Kerzen müssen Kreidestriche annehmenund zur Untersuchung abgenommene Theile dürfen beimKauen nicht an den Zähnen kleben und müssen nach demSchmelzen eine klare, durchsichtige Flüssigkeit bilden, ausder sich keine pulverigen Körper absetzen dürfen. Amhäufigsten wird das Wachs verfälscht mit Fett, Talg,Harz, Erde, Mehl und Paraffin. Will man erfahren,ob das Wachs nicht mit Fett gemischt sei, so nehme manein Stück von einer Kerze und tauche es in Wasser, daSbis zu dem Grade erwärmt ist, bei welchem das Fett ge-wöhnlich zu schmelzen anfängt. DaS Feit löst sich als-dann auf und schwimmt auf der Oberfläche des Wassers,das Wachs hingegen wird nur weich und knetbar. DaSreine Wachs brennt hell; wenn darum die Kerzen keinehelle Flamme haben, viel Rauch verbreiten, einen langenDocht zurücklassen, einen üblen Geruch haben, dabei sichweich und fettig anfühlen, so lege man ein Stück davonans glühende Kohlen; wenn dabei ein dichter Rauch ent-steht, so kann man sicher sein, daß dem Wachs Talg zu-gemischt ist. Auch mit Harz kann das Wachs vermochtsein; dieses erkennt man am besten an dem Harzgernch.Auch kann man ein Stück von einer solchen Kerze inWeingeist legen, worin das Harz sich auflöst. Nimmtman nun das zurückbleibende Wachs heraus, läßt den