Ausgabe 
29 (30.5.1869) 22
 
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die ganze Stadt, beglückwünschende Botschaften wurdm an die Directoren der Central» «Pacific und der Union-Pacific-Bahnen Seitens der kalifornischen Pioniere abgesendet.

Auch in Sacramcnto wurde das Ereigniß großartig und mit Enthusiasmus gefeiert.

Die Stadt war mit einer ungeheuren Volksmenge vollgcdrängt, die aus allen Theilendes Staats, sowie von Nevadc herbeigekommen war. Die in hiesiger Stadt in Sitzungbefindliche Grandloge der Odd-Fellows hat eine Einladung acceptirt, an der Demon- >stration in Sacramcnto Theil zu nehmen, und es waren auch Bogen von Nevada,

Graß Valley, Vallejo, Sän Francisco, Placcrvillc, Sän Jose, Marysville, VirginiaCity und Gold Hill in Nevade erschienen. Die Transpvrtlinien wurden dem Reiseverkehrdes Publikums freigegeben und die Bevölkerung benütztc die gebotene Gelegenheit undströmte schaarcnweise nach Sacramcnto. Die Central-Pacisic Compagnie hatte 30 Prächtigdecorirte Locomotircn vor der Stadt aufgestellt, und als die Nachricht kam, daß derletzte Epiker in die Bahn getrieben werde, singen die 30 Dampfpfcifen der Locomotivcnan Lärm zu machen. Alle Glocken der Stadt stimmten in den Chorus ein. Die Kundevon der Vollendung der Bahn rief großen Enthusiasmus in allen Städten Californiens hervor. Am 10. wurde die erste von Japan nach St. Louis bestimmte Thcesendungvermittelst der Pacific-Eiscnbahn transportirt. Der Ucberlandvcrkehr mit China undJapan hat somit begonnen. Die Bahn von Omaha bis Sacramcnto gehört zwei

Compagnien, die sich wahrscheinlich bald in eine verschmelzen werden; der Union-Pacific-Railroad-Compagnie, welche von Osten zu bauen anfing, und der Central - Pacisic-Railroad-Compagnie, welche ihr von Californien aus entgegenkam. Beide Corpora-tionen cxistirtcn schon 1862, doch der eigentliche Bau begann erst, nachdem 1864der Congreß die ursprünglichen Landschenkungen verdoppelt und für die sonstigenRegicrungs-Zuschüsse statt mit einer ersten mit einer zweiten Hypothek sich begnügthatte. Unter diesen Verhätnissen war es freilich eine Lust zu bauen, und das Werkschritt unglaublich rasch vorwärts, da für jede fertige oder angeblich fertige Strecke, auSder Bundescasse die betreffenden Millionen in zinsentragendcn Papieren flößen. ^

Die Entstehung der brennbaren flüssigen Erdprodukte.

Die Herkunft der brennbaren flüchtigen und flüssigen Erdproduktc, die als Gase,

Oele in Thecrform dem Boden entquellen oder früher entquollen, und zu Asphalt ver-härtet sind, ist lange eine offene Frage gewesen. Es lag zwar der Gedanke nahe, undManches schien für ihn zu sprechen, daß die Wurzel solcher Erscheinungen in Steinkohlen-Lagern zu suchen sein möchte. Die schlagenden Wetter in Kohlcnwerken zeigen, daß auchschon auf kaltem Wege sich brennbare Gase aus Kohle entwickeln können; je nachschc-diese freien Austritt an die Oberfläche fänden, oder sich durch den Druck unterirddcmnWasser erst thcilweise verdichteten, könnten Gas - oder Oelqucllen entstehen. Der Steniikohlentheer unserer Gaswerke liefert überdies Destillate, die mit den natürlichen ErdörleNaptha , Petroleum, im Wesen völlig übereinstimmen. Freilich aber mußte dagegen dieErfahrung sprechen, daß jene Erdproduktc in der Regel in Gegenden auftreten, die ent-schieden nicht steinkohlensühreiid sind; sie müßten daher erst ungeheure unterirdische Reisengemacht haben. Erdöle finden sich vorzugsweise in klüftigem Muschelkalk und Sandstein-schichten, überhaupt aber in solchem Terrain, das als Nicderschlag alter Meere betrachtetwerden muß. Hiervon ausgehend und durch anderweitige Beobachtungen geleitet, ist man^ gegenwärtig zu einer anderen Anschauung der Dinge gelangt, dahin nämlich, daß derpflanzliche Ursprung, der bei Stein- und Braunkohlen zweifellos ist, den Erdölen undAsphalten nicht zugeschrieben werden könne, diese vielmehr aus der Zersetzung thierischerMaterien hcrstammcn. Belege für diese Theorie haben sich auch gefunden. So ist >

namentlich Acgypten im Besitze natürlicher, noch im vollen Betriebe steheniscr Steinöl-