Ob Archivrath vr. Meyer die ihm in der All-gemeinen Zeitung und von Pros. Schmid zu Theil ge-wordene Behandlung sich ohne Widerrede wird gefallenlassen, darf wohl bezweifelt werden, entschiedener Wider-spruch aber muß gegen die Behauptung eingelegt werden,daß Schmid alle Zweifel, welche von Meyer nach meinemVorgänge im Jahre 1869 gegen die Hohenzollerntheorievorgebracht worden sind, mit größter Sicherheit ge-löst habe.
Schmid hat in seiner neuesten Schrift auch «einer,jedoch wieder unter der falschen Bezeichnung eines Ad-vokaten, gedacht (S. 2 A. 1, 3 und 72), ich nehmedeßhalb Veranlassung, ihn auf meine Berichtigung indem Artikel „Zollern oder Abenberg" (Beilage zur Augs-burgs! Postzeitung vom 8. Okt. 1690 Nr. 55) zu ver-weisen und ihm nochmal zu versichern, daß ich heute nachUeberlesung seines oben angeführten Werkes noch weitmehr als früher davon überzeugt bin, daßdie Grafen-von Abenberg die Ahnen der Burg-grafen von Nürnberg zweiter Dynastie, mithinauch der Könige von Preußen und der Fürsten von Hohenzollern wirklich sind.
Schmid und Meyer haben zur Vervollständigungund Richtigstellung der Genealogie der Grafen von Aben-berg wesentlich nicht beigetragen, dieselbe nicht gefördertund den Erwartungen, die ich dem Recensenten meinerGrafen von Abenberg im Corrcspondentcn von und fürDeutschland im Jahre 1869 Nr. 408 ausgedrückt habe,nicht entsprochen. „Ich suchte die Wahrheit, sagte ichdamals, und habe mich überzeugt, daß sie dann voll-ständig an den Tag kommen wird, wenn man für Er-forschung der Geschichte der Grafen von Abenberg eben-soviel geleistet hat, wie für die Hohenzollern ."
Nur das vergleichende Studium führt zu annehm-baren Resultaten. Vergleichen wir deßhalb die gegner-ischen Genealogien mit der Stammtafel der Grafen vonAbenberg , welche wir 1869 aufgestellt^) und in den Jahren1879/80, dann 1890 nochmal berichtigt und ergänzt haben,nach den von uns zwischen 1869—1890 gesammelten Re-gelten, die wir theils unserem um die Geschichte Bayerns sehr verdienten seligen Freunde, dem k. Notare Siegertvon Trostberg in Oberbayern , theils einem gleichverdienten,sehr angesehenen Prälaten Niederbayerns verdanken, dengrößeren Nest davon aber innerhalb des angegebenenZeitraums selbst gesammelt haben/) um auf dem ver-gleichenden Wege der Wahrheit endlich Zu ihrem Rechteund zum Siege zu verhelfen.
Meyers und Schmidbeginnen ihre Stammtafelnder Grafen von Abenberg mit den Brüdern Wolframund Otto, welche in der Klosterstiftungsurkunde desMarkgrafen Her mann und der Gräfin Albe radavon Banz, seiner Gemahlin, im Jahre 1071 unterAnderen als V/oltrara vomes st traten oju8 Otto äounterzeichnet sind. Schon iw Jahre 1869 warich einen Schritt weiter hinaufgegangen und hatte Wolf-ram I., welcher urkundlich 1045 als Graf und 1058als Vogt der bischöflichen Kirche von Bamberg auftritt,als Vater der beiden Bruder bezeichnet und als Ge-
") Die Grafen von Abenberg die Ahnen deö preußischenKLnigShauses und der Fürsten von Hohenzollern. München 1869. G. Franz'sche Buch- und Kunsthandlung (Ed. Lolch eck).
v) Die Grafen. von Abenberg , die Ahnen der deutschenKaiser und der Fürsten von Hohenzollern . 1890. Mskpt.
0 I. o. S. 28 u. 79.
°) Netteste Geschichte von Hohenzollern. III. Band. Tü-bingen 1888.
mahlin desselben Gerhilde angegeben. Meine weiterenUntersuchungen hatten mich aber schon im Jahre 1879/80zu der Ueberzeugung geführt, daß Gerhilde die GemahlinWolframs II. (am 22. Juli nach 1108) und die Mutterdes Domherrn Adalbcrt gewesen, der nicht schon 1108mit Tod abging, sondern damals noch in den bestenJahren stand. Die Gemahlin Wolframs I. habe ich in-zwischen noch nicht auffinden können; daß derselbe aberals Vater Wolframs II. und Ottos I., welche urkundlichebenfalls Vögte der Haupikirche zu Bamberg genanntwerden, anzuerkennen ist, scheint mir zweifellos aus demUmstände hervorzugehen, daß die Vogteirechte über-haupt erblich waren, die Ahnen bezw. der Vater dergenannten Bruder von Abenberg sohin in den Vögtender Kirche 8. Maria, 8. Peter und Georg zu Bamberg gesucht werden müssen, d. h. in Wolfram I. und etwain Adalbert, sicher aber in dem ersten Vogte der StiftungKaiser Heinrichs II., in dem Grafen Tymo. Schmidhat gemeint, ich könne Wolfram I. als Grafen vonAbenberg nicht nachweisen; er übersieht, daß ich einenBeweis deßhalb nicht zuführen brauche, weil die.Prä-sumtion dafür spricht, daß sich die Bnmberger Vögteregelmäßig in gerader directer männlicher Abstammungfolgten und eine allenfallsige Ausnahme nicht von mir,sondern von demjenigen bewiesen werden müßte, welchersie aufstellt.
Bezüglich der Ascendenz der Vögte der bischöflichenKirche von Bamberg , welche Schmid weggelassen, Meyermit einem d versehen hat, verweise ich auf meine Grafenvon Bergthcim im 54. Berichte des historischen Vereinszu Bamberg (1892), und zu dem angeblichen Kraft,Grafen von Abenberg , mit dem vorgesetzten Fragezeichenbei Meyer (S. 79), bemerke ich, daß dieser Name aller-dings gleichzeitig mit Wolfram II. und Otto I. vorkommt,aber dem Ratenzgangrafeugeschlechte oder den Grafen vonWcrtheim oder Hennenberg angehören dürfte und vonmir in die Genealogie der Grafen von Abenberg , beiwelchen dieser Name fremd ist, so lange nicht aufgenommenwerden kann, bis ganz bestimmte Nachweise für seine Zu-gehörigkeit zu diesem illustren Geschlechte beige-bracht sind.
Die drei Namen Otto, Otto, Bischof von Bamberg ,und Friedrich, Vater und Söhne, gehören nicht in dieOttonische oder Frcnsdorf'sche Nebenlinie der Grafen vonAbenberg/ ) In Folge specieller Studien über Heimathund Herkunft des hl. Otto, des Apostels der Pommern,war ich schon 1880 veranlaßt, Otto und dessen GemahlinAdelheid sammt deren Söhnen Friedrich und Otto ausder urkundlich beglaubigten Genealogie der Grafen vonAbenberg zu entfernen, weil sie als Edel Herren undRitter von Mistelbach (jetzt Mischelbach) bei Sand-see, Pleinfcld und Hcideck wahrscheinlich Heidccke waren,jedenfalls aber zu den hochgräflichen Abenbergernnicht gezählt haben. (Beilage zur Augsb. Postztg. 1880Nr. 83 ff., 1886 Nr. 7—12, 1890 Nr. 55 S. 2 unddie Familie des hl. Otto und die Edelherrn von Mistel-bach im 54. Jahres-Berichte f1892j des histor. Vereinsvon Bamberg .)
Meyer kannte meine Specialuntersuchungen über denhl. Otto nicht und wollte, wie ich 1869 ebenfalls ge-than/) die Edclherren von Mistelbach als Grafen vonAbenberg im Hinblick auf die bekannten Stiftungsversedes Klosters Heilsbronn festhalten, allein die Cisterzienser
°) Meyer I. «r. S. 30, 32 u. 79.
') Grafen von Abenberg. S. 12, 20 u. 41.