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daselbst waren Mit der Annahme, Bischof Otto I. vonBamberg sei ein Graf von Abenberg gewesen, ebenso imUnrecht, wie die Benediktiner auf dem Michelsberg zuBamberg mit der Behauptung, Otto habe dem Grafen-geschlcchte der Audcchs-Meran angehört. Wenn Meyer ^)seine unhaltbare Meinung noch damit begründen zu könnenglaubt, daß er sagt: «es sei gar nicht abzusehen, wieOtto°), wenn er, wie angenommen wird, einem schwäb-ischen Hanse entsprossen ist, dazu gekommen sein solle,in Heilsbronn , das nicht einmal zu seiner Diözese ge-hörte, ein Kloster zu stiften," so hat er damit eben ver-rathen, daß er die Bedeutung Otto's, der in Thüringen ,Franken, der Oberpfnlz, Bayern und Oesterreich so vieleKlöster stiftete, nicht erfaßt hat, und daß ihm der Zu-sammenhang der Glieder des berühmten Abenberger Grafengeschlechts nicht ganz klar geworden ist.

Noch weniger als Meyer ist über das AbenbergerGeschlecht I)r. Schund in Tübingen orientirt, wie ausseinem sehr mangelhaften genealogischen Schema in ältesterGeschichte der Hohenzollern 1888 Bd. III deutlich genughervorgeht. Schund läßt Otto, Grafen von Abenberg,der 1071 die Stiftnngsnrknnde von Kloster Banz inFranken unterzeichnet hat, bis 1120 leben und mitHedwig, der angeblichen Erbtochter des Markgrafen Her-mann und der Gräfin Alberada von Banz, vermählt sein;Otto II., Wolfram III. und den Erzbischof Konrad vonSalzburg hat er in seine Genealogie gar nicht aufge-nommen. Die Vita Oonraäi hat er höchst oberfläch-lich bemängelt und sodann unberücksichtigt beiSeite gelassen. Er nennt das Leben des Erzbischofsim lüssaurns Dmeoclotornm von Bernard Pez Nom. IIkars III (bei ihm T. IV) p. 221 sf., worindie Fabelvon dem kinderreichen Helden Babo, des Erz-bischofs angeblichem Ahnherrn, welcher ein geborner Grafvon Abenberg gewesen sein soll und sonst noch spukt ^°),eine Quelle, welche selbst Haas, wie er sagt,für verdächtig hält."

Ob der einst so viel verhöhnte und geschmähteHeinrich Haas, dessen starke Seite die Kritik nicht ge-wesen, die vita Oonraäi I. arosiispisoopi LalisdnrAormmverdächtigt hat oder nicht, darauf kommt es selbstverständ-lich nicht an, sondern darauf, wie die Iflonnmonta Olor-inaniao nach Pcrtz ") hierüber genriheilt haben und wasdie neueste Kritik davon hält.

Archivrath Dr. Meyer in Breslan, welcher, wennich nicht irre, eingehende Studien über das Leben desgroßen Abenbergers gemacht hat, erklärt in seiner Her-kunft der Burggrafen von Nürnberg den BiographenKonrads als durchaus zuverlässigen Gewährs-mann^), ums er im Allgemeinen und insbesondere ingenealogischer Beziehung in der That auch war, nur darfman ihn nicht so arg mißhandeln und mißverstehen, wiees Aventin, der angebliche Vater der bayerischen Ge-schichte, der famose bayerische Ritter von Lang und ihreNachempfinder gethan Habens. Ich wenigstens habe

°) l. o. S. 30.

°) Schmid lägt S. 75 seiner neuesten Schrift Bischof Otto 1.von Bamberg 114 3 noch leben und die Schirmvogtci überKlostcrmünchanrach dem Burggrafen Konrad II. übertragen.-Otto starb bekanntlich am 30. Juni 1139. Vergl. die Grafenvon Bcrgtheim S. 14. In der Beilage I, 1 ist 30. Juli1139 in 30. Juni zu berichtigen.

r°) I. o. Bd. III, 219.

") 88. XI. 62. blou. Oerw. tom. XIII.

I. o. S. 24.

") Welche heillose Wirren diese Männer durch Verwechs-lung Babos, des mütterlichen Großvaters des Erz-

nach sehr eingehender Beschäftigung mit demselben keinenGrund gefunden, an seiner Zuverlässigkeit zu zweifeln,weßhalb ich schon im Jahre 1869 das Motto zn denGrafen von Abenberg dem ersten Kapitel der viia Oon-raäi arostioxmoopi LaliodurAoimm entnommen habe.

Professor Dr. Schmid ignoriri die vila Oonraäiund geräth deßhalb schon bei Beginn seiner genealogischenNachweise über die Grafen von Abenberg in die größtenSchwierigkeiten und Irrungen. Nach meinen Erhebungenist Otto I., Graf von Abenberg , schon um 1105, nichterst 1120 gestorben. Derselbe hatte eine ungenannteTochter des kindergesegneten Burggrafen Babo II. vonNegensburg zur Gemahlin. Ihre Söhne waren Otto II. ,Wolfram 111. und Erzbischof Konrad I. von Salzburg.Otto II. war mit Hedwig, der Schwester Diepolds, ver-mählt, und ihrer Ehe entsproßte Rapoto, der von 1130bis 1172 als Graf und Vogt oft genug beglaubigt ist.Ein älterer Napoto, urkundlich zwischen 1122 bis 1126genannt, gehört zur Nachkommenschaft Wolframs II.in der Hauptlinie Abenberg-Zollern. Die Nachweise fürdie einzelnen Positionen hier beibringen zu wollen, würdezu viel Raum erfordern, ich muß deßhalb auf meinManuscriptDie Grafen von Abenberg, dieAhnen der deutschen Kaiser und der Fürsten von Hohenzollern " verweisen, glaube aber inmeinen bisherigen Ausführungen schon gezeigt zu haben,daß die Doctoren Meyer und Schmid für die Grafen vonAbenberg etwas Neues nicht beigebracht und dasjenigenoch nicht geleistet haben, was man billig fordern kann.

(Schluß folgt.)

Der Einfluß des tonischen Acceutes auf diemelodische und rhythmische Struktur dergregorianischen Psalmodie.

Zu den Studien, welche in unserer Zeit mit großemEifer und Erfolge betrieben werden, gehören die archäo-logischen. Sie führen dahin, daß wir mit Entzücken dasAugustinische Wort: in vstors novnin latot, in novovelu8 xatot anwenden können: unsere katholischen Lehrenund Einrichtungen erscheinen uns in ihrem Ursprüngealtehrwürdig und diese altehrwürdigen historischen That-sachen als die Keime, die in ihrer organischen Fort-entwicklung unter dem Einfluß des Geistes Gottes undder Menschlichen Bemühungen zur gegenwärtigen dog-matischen und liturgisch-rituellen Form sich ausgestaltethaben. Sowohl dem wissenschaftlichen Eifer als demErfolge nach ist nicht die mindeste der archäologischenDisciplinen die kirchenmusikalische, welche mit der ur-sprünglichen Form der gregorianischen Gesänge und ihrergeschichtlichen Fort- und Ausbildung sich beschäftigt. Zujenen Gelehrten nun, welche sich zur Aufgabe gemachthaben, vor allem auf archäologischer Basis die Grammatikder gregorianischen Sprache zu construiren und dadurchin die Geheimnisse der Komposition, in die Kunst desdeklamatorischen Vortrages und in die Schönheit desGesanges der lateinischen Kirche einzudringen, gehörendie Benediktiner von Solesmes . Jede ihrer Publikationenbegrüßen wir vom wissenschaftlichen Standpunkte ausmit Freuden, so auch die unter obigem Titel*) erschienene.Herr P. Bohn (Trier ) hat sie, die letzte Lieferung der

bischofs, mit dem väterlichen Großvater desselben indie Geschlechtstafcln unseres Ncgentenhauscs und der eistenbayerischen Dynastenfamilien gebracht haben, ist allbekannt.

*) Bei Herder in Freibnrg i. Br. 1694.