schwere Wort eines deutschen Kaisertums unter schwed-ischem Fittige zur That machen konnte. Außer denösterreichischen Erblanden lag Deutschland der Macht barvor seinen Füßen, Bayern war deßgleichen eine ein-zige Festung ausgenommenin seiner Macht, nur Oester-reich stand noch unbewältigt da. Dorthin mußte nunder Schwede sich wenden, und dort fand er einen großen,ebenbürtigen Gegner, und riesig mußte nun der Kampfwerden, es handelte sich ja um die Herrschaft im deutschen Reiche. Wallenstein gegen den Schweden ! Erstererhatte in kurzer Zeit ein gewaltiges Heer auf die Beinegebracht, alle Alten und unzählige Neue waren auf seinenRuf sofort gekommen, er hatte 60,000 Soldaten. Wallen-stein selbst wird, weil er es so wollte, Oberbefehlshaber,und er wird insolent. Zum Beweise hiefür führen wiraus seinen vielen Bedingungen nur folgenden Satz an:Der Herzog von Fricdland ist oberster Feldherr desKaisers und der Krone Spanien , weder der Kaiser nochder König von Spanien dürfen sich bei dem Heere ein-finden oder gar das Commando führen." Dies genügtgewiß. Ein Schriftsteller sagt hierüber:der Herr seidadurch zum Knecht, der Knecht zum Herrn geworden."

Wallenstein zog gegen Prag , vertrieb die Sachsen,und Prag wurde sofort wieder kaiserliche Stadt. Arnimließ Wallenstein entkommen bei Pirna sie kannteneinander ja von früher noch zu gut; Ende Mai warganz Böhmen wieder in kaiserlichen Händen. Wallen-stein wollte nun in Sachsen einbrechen, der Kaiser er-suchte ihn, vorerst dem Kurfürsten von Bayern zu helfen,Wallenstein sagte nicht zu und nicht ab. Der Kurfürstzog nun gegen die böhmische Grenze, Wallenstein ver-langte auch den Oberbefehl über die Bayern, und in Eger vereinigten sich beide Hceresthcile, und nun ging's gegendie Schweden durch die Obcrpfalz gegen die Donau . BeimAnblick der riesigen Hceresmassen rief der Herzog vonFriedland aus:in drei Tagen soll es sich zeigen, wervon uns beiden, der König von Schweden oder ich, Herrder Welt fein wird!" Es geht gegen Nürnberg ,welch feste und reiche Stadt der Schwede halten mußte,hatte er ja zudem ein Schutz- und Trutzbündniß mitderselben zur Abwehr Wallenstcins abgeschlossen; derSchwede verschanzte sich, da er einsah, er sei viel zuschwach in offenem Felde gegen Wallenstein und dieBayern. Alle Nürnberger Männer von 1840 Jahrenwurden zu den Waffen gerufen und eingeübt; bei Neu-markt wurden unterdessen, durch eine Kriegslist getäuscht,1200 schwedische Reiter zusammengchauen oder gefangengenommen. Wallenstein wollte die Schweden aushungern,diese aber erhielten durch glückliche Gefechte ungemeinviele Nahrungsmittel, welche den Wallcnstein'schen Truppenzugeführt werden sollten natürlich spielte hier der Ver-rath die erste Violine und zudem eine derartige Ver-stärkung an Truppen, daß sie die Wallenstcins noch anZahl übertrafen. Und das Resultat der Schlacht beiNürnberg? war die erste große Niederlage des Schweden ,der 3000 Mann verlor und 7000 Verwundete hatte;aus Mangel an Nahrungsmitteln zog er einige Wochenspäter, nachdem er Wallenstein absolut nicht zu einerweiteren Schlacht bewegen konnte, von Nürnberg ab.Beide Armeen trennten sich ohne eigentliches Resultat,furchtbar groß waren auf beiden Seiten die Verlustedurch Krankheiten, Seuchen und durch Hunger.

Die verbündeten Armeen unter Wallenstein zogengegen Bamberg und Bayreuth , welche Städte verwüstetwurden; weiter ging es gegen Norden nach Koburg ,

während der Schwede die Eroberung Bayerns vollendenwollte, glaubend, der Herzog werde mit ihm in Bayern selbst wieder zusammentreffen. Dies wollte der Herzognicht, denn an Bayern lag ihm weiters blutwenig, sonsthätte er den damaligen dringenden Bitten des Kurfürstenvon Bayern sicher Gehör geschenkt und nicht bloß 4000Mann zu den Bayern stoßen lassen. Der Herzog rücktegegen Sachsen und suchte hier die Entscheidung desKrieges. Leipzig capitulirte, und der Friedländer hatte dieAbsicht, die Winterquartiere in Sachsen zu beziehen undden Kurfürsten durch gute Worte oder der Waffen Ge-walt zu zwingen, daß er dem schwedischen Bündnisseentsage. Der Schwede durfte den Sachsen nicht imStiche lassen und zog dem Friedländer nach, traf inErfurt mit seiner Gemahlin zusammen zum lctzten-male und war in den ersten Tagen des November(1632) in Naumburg. Wallenstein wollte hier eineSchlacht, Gustav Adolf nicht, Pappenheim drang aufeine Entscheidung, und sie erfolgte bei Lützen . KeineSchlacht war es, ein Schlachten war's zu nennen, dennbeide Theile wußten: alles steht auf dem Spiele. Desöfteren wurden die Kaiserlichen Meister, und wiedertrieben die Schweden die Kaiserlichen zurück, bis erstereendlich siegten, wenn es ein Sieg zu nennen ist beibeiderseitigen Niesenverlusten und bei Verlust desSchwedenkönigs Gustav Adolf (am 6. November 1632).Er fiel, das muß gesagt werden, wie ein Held, durch-bohrt von mehreren Kugeln und geschleift von seinemPferde. Auch Pappenheim fiel, nachdem er auf dieKunde vom Tode des Schweden ausgerufen:ich sterbegern, weil der größte Feind unseres Glaubens zugleichmit mir von hinnen geschieden ist". Gustav Adolf todtim Alter von 38 Jahren! Damit ist unsere Aufgabevollendet, denn nicht eine Kriegsgeschichte zu schreibenwurde uns aufgetragen, sondern Gustav Adolf zu schildern,und zwar kurz.

Gustav Adolf war ein großer Feldherr und eingroßer Politiker, aber groß war er nicht als Mensch.Er war ein Mann der Beredsamkeit, aber hinter seinenWorten verbarg sich gar zu oft Trug und Heuchelei, er warein geriebener Diplomat. Er kam nach Deutschland ,nicht gerufen, sondern freiwillig, um Deutschland sichunterthänig zu machen, um zum deutschen Kaiserthron zugelangen, und deßwegen kann ein ächter Deutscher keinFreund Gustav Adolfs sein, oder er muß auch einen Freundder Napoleoniden sich nennen lassen. Nicht innere Ueber-zeugung, sondern äußere Berechnung war es, die denKönig in unserm Vaterlande leitete, und deßwegen ist ernicht groß als Mensch. Unser Herrgott aber ließ auchdamals die Bäume nicht bis zum Himmel wachsen! Einprotestantischer Geschichtsschreibcr sagt:Ein Eroberer imgewöhnlichen Sinne war Gustav Adolf nicht; vielmehrnimmt er seiner ganzen Denkungs- und Handlungsweisenach unter den reinen und edlen Gestalten der Welt-geschichte einen der ersten Plätze ein." Als Kritik zudiesen Worten hat ein Leser des Buches, welches demVerfasser dieser Zeilen zu Gebote stand, kurz auf denRand bemerkt:Das ist nicht wahr!" Dies ist diekürzeste und beste Kritik.

Wir wollen Gustav Adolf nicht weiter kritisirenes wurde an geeigneten Stellen bereits kurze Kritik ge-übt er selbst soll unsere Zeilen schließen. Was sagteer, auf der Höhe seiner Macht stehend, zu den Nürn-berger Patriziern?Ich will keine neuen Neichsgesetzegeben, aber einen evangelischen Kricgskörper bilden.