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Fähigkeiten sowohl wie seiner gewissenhaften, unermüdlichenPflichttreue verdanken, insbesondere durch seine Verdienste umdie Reorganisation unserer Gesetzgebung, den höchsten Anspruchaus die dauernde Anerkennung und Dankbarkeit unseres Landeserworben.

Ganz besonders bei demVerein für deutsche Wissen-schaften" wird das Andenken des Verewigten, welcber der vondiesem Verein begründetenVereinsschule deutscher Wissen-schaften" eine so rege. thätige Theilnahme entgegenbrachte undihr mit seinem Rathe so oft zur Seite stand, immerdar inhohen Ehren bleiben; ebenso werden die ehemaligen Schülerdieser Anstalt seiner stets mit tiefer, treuer Dankbarkeit ge-denken.

Ihnen aber, hochgeehrteste Frau, wünschen wir von ganzemHerzen, das; der Himmel Ihnen Krast verleihen möge, denherben, unersetzlichen Verlust, den Sie erlitten haben, zuertragen.

Wir bitten Sie, dieses Schreiben, den zwar schwachen, aberaufrichtigen Ausdruck unserer Gesinnungen gegen Sie undIhren verewigten Herrn Gemahl, freundlich entgegennehmenzu wollen.

Mit der Versicherung der ausgezeichnetsten Hochachtungund Ergebenheit

Vicomte I. Sinagawa,

Präsident des Vereins für deutsche Wissenschaften.

Pros. H. Kato,

Direktor der VcrcinSlchule deutscher Wissenschaften.

Recensionen und Notizen.

Biblische Tragödie in fünf Aufzügen von Max vonTheuern. Erstes Bündchen: Text. Kemptcn, Verlagder Köscl'schen Buchhandlung. 1896.

Unter obigem Titel verläßt soeben ein Büchlein die Presse,daS wohl einiger Beachtung werth ist. Das vorliegende Bünd-chen enthält den Text, das zweite die Musik dazu. Die Kom-position hat Herr Kapellmeister Stehle in St. Gallen über-nommen. Das Ganze ist Sr. Königlichen Hoheit dem PrinzenNupprecht von Bayern , gewidmet, der die Widmung des Pseud-onymen Verfassers huldvoll entgegengenommen hat. Wie derVerfasser am Schlüsse bemerkt, lehnt sich das Stück im Ganzensehr eng an den biblischen Bericht an. Es ist ja richtig, daßder Stoff selbst gewissermaßen nach einer dramatische Behand-lung ruft; und dem Verfasser ist es auch gelungen, ein kleinesMeisterstück daraus zu fertigen. Der scenische Aufbau istcorrcct, die Handlung fesselnd, die Charaktere sind trefflich ge-zeichnet. Der wilde Joab , der in seiner rauhen Königstreueden nngerathcnen Sohn dem Befehl entgegen tödtet, erregtdoch unser Mitleid, da ihn die Strafe trifft. Er ähnelt sehrdem grimmen Hagen im Nibelungenliede. Packend ist die Ver-zweiflung des hinterlistigen Acbitophel geschildert, dem der milde,bedächtige Chusai gegenübersteht. Ein reizendes Bild tritt unsin dem Knaben Chamaam entgegen, dem Sohne Bersillaies;Wie lieblich ist die Scene am Brunnen, in dem Chamaam vorseinen Verfolgern geborgen wird. Hier hat der Verfasser mitder Einführung Mirjams einen glücklichen Griff gethan. Vonden cingeflochtenen Liedern will ich nur eines als Probe folgenlassen. Im siebenten Auftritt des dritten AufzugeS singtChamaam:

Vözlein fliegt zu Thal herab,

Sitzt im Netz gefangen.

Vogelstellers MägdeleinRührt sein ängstlich Bangen.

Süße Worte trösten es,

Süße Lippen sprechen:

Kann dich nicht so traurig seh'n,

Will die Fesseln brechen.

Frei ist's Vöglein, blickt zurückDennoch voll Verlangen.

Mägdlein, das ihm Freiheit gab,

Hält sein Herz gefangen.

Ueber die Musik kann ich kein Urtheil fällen, da sie nochnicht vollständig vorliegt. Der Name des Verfassers bürgtindeß für ein Gelingen nach dieser Seite. Das Textbuch er-scheint in zwei Ausgaben, einer billigen Volksausgabe undeinem hübsch ausgestatteten Bündchen. Daö Stück ist zwar fürgrößere Bühnen berechnet, dürfte aber auch mit geringen Aen-

Berantw. Redacteur:

berungen sich für Gesellschaften empfehlen. Möge es allseitigdie Aufnahme finden, die es meinem Urtheile nach verdient!

Dr. v.

Förtsch, Neichsger.-Nath, Die Neichsgesctze betr. die privatrechtl.VerhältnissederBinnenschifffahrtundderFlößereivom 15. Juni 1895, nebst den ergänzenden Vorschriftender Gewerbeordnung und deö Handelsgesetzbuches. Leipzig »Roßberg. 7 M.

-es- Dieses mit dem 1. Januar 1896 in Krall getreteneGesetz wird für Richter wie Private, die nicht durch die Näheder See mit dem letzten Theile des Handelsgesetzbuches, mit demSeerecht, bekannt sind, anfangs manche Schwierigkeit mit sichbringen. Insonderheit i» Bayern , wo ciucStheilS das Seerechtselten zur Anwendung zu kommen hat und andcrntheils bis vorKurzem auch auf den Universitäten das Seerccht mit Still-schweigen Übergängen wurde, wird das Verlangen nach einemtüchtigen, die Bedürfnisse der Praxis besonders berücksichtigendenComnientar zu den vorliegenden Gesetzen ein starkes sein. Ge-rade in dieser Beziehung leistet vorliegende Ausgabe wirklichHervorragendes. Der Verfasser war nicht nur bestrebt, allenur irgend auftauchenden Zweifel oder Unsicherheiten zu lösenund zu heben, er hat es auch meisterlich verstanden, durch gutgewählte Beispiele uns zum Theil doch recht fremde Begriffe undVerhältnisse verständlich zu machen. Wir sind daher der Ueber-zeugung, daß der Förtsch'sche Commentar zum Binnenschifffahrts-Gesetz den eingetheilten Beifall der Praktiker finden wird.

Heilige Anklänge zu Betrachtungen und Erwägungenreligiösen Belanges. Aus den Schriften eines Prä laten.Graz , Verlagsbuchhandlung Styria.

G Fünfzig Meditationen als Frucht ernster, tiefer Re-flexion! Die Bezugnahme auf den Unglauben unserer Zeit ver-leihen dem Buche eine seltene Originalität, die Betonung derAndacht zum Allerheiligsten Sacramente und der Maricnver-ehrung einen wahrhaft katholischen Charakter. Infolge desgediegenen Inhaltes sehen wir über die sprachlichen Unrichtig-keiten gerne hinweg, umsomebr als wir in dem Verfasser einengeborenen Ausländer vermuthen.

'S Dorl i". Von Carola v. Eynatten. Verlag von P. Weber

in Baden-Baden .

Die allbekannte und beliebte Erzählerin Carola v. Eynattenbietet der reiferen Jugend hier eine reizende Geschichte aus demSchwarzwalde. Nichtalte Märchen grauer Vorzeit u. ferner Länder,sondern daS Leben und Treiben des heimathlichen Schwarz-waldes mit seinen originellen Erscheinungen und Trachten, wiees die Wirklichkeit bietet, wird uns hier in spannender undhöchst anziehender Weise geschildert. Drei schöne 5 fünffar-bige Bilder zieren das Buch, die Ausstattung ist schön undder Preis (Mk. 2.50) sehr mäßig.

Jahrbuch für Philosophie und spekulative Theo-logie. Herausgegeben unter Mitwirkung von Fach-gelehrten von Dr. Er nst Co m mer, o. ö. Professor ander Universität BreSlau. Padcrborn, Fcrd. Schöningh,1896. X. Band. 2. Heft.

Inhalt: I. Zur neuesten philosophischen Literatur. (I.)Von Kanonikus Dr. M. Gloßner, Müncben. II. Die in dendrei unter dem Namen deö Aristoteles uns erhaltenen Ethikenangewandte Methode. (II.) Von Pros. l>r. Zahlfleisch in Ried,Ob.-Oesterreich. III. Die Neu-Thomistcn. (VII.) Das Gebietder Gnade. Von U. LluF. Bbool. Gundisalv Fcldncr, 0. Vrasck.,Prior in Lemberg. IV. Die unbefleckte Empfängniß der Gottes-mutter u. der hl. Thomas. (II.) Von Jos. a Leon., 0. LI. 6ap.V. Die Grundprinzipien des hl. Thomas von Aqnin und dermoderne Socialismus. (VI.) Die Gnade im allgemeinen. VonDr. C. M. Schneider, Pfarrer in Floisdorf . U. s. w.

Das Okkioinm Lla.ria.num xarvum, oder Diekleinen Marianischen Tagzeiten, in homilet-ischen Vortrügen erläutert von V. Ludwig Fritz,aus dem Orden der beschuhten Karmeliten. Regensburg bei Pustet. 2 Bde. 508 u. 644 S. Preis 6 M.

a. Diese Predigten sind in Straubing gehalten worden;sie sind die wohl ausgereifte Frucht sinniger und tief ein-dringender Meditation. Die Darstellung ist einfach und klar,jede rhetorische Uebertreibung ist streng vermieden.

Ad. Haas in Augsburg. Druck ». Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .