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wirkt während der Periode des Einflusses beständig knder Versuchsperson, ihr Handeln leitend, fort, worausJanct gewisse Hallucinationen, Ausführung posthypnot-ischcr Suggestionen, automatisches Schreiben und Hell-sehen zu erklären versucht. Dieser Einfluß zeigt sich abernicht nur bei Schwerkranken, sondern auch bei leichterenPatienten, z. B. bei solchen, die an Zweifelsucht, Un-entschlosseuheii leiden, ohne daß ein eigentlich hypnotischerZustand vorhanden wäre oder der Gedanke des Hypnoti-seurs im Subliminalbewußtsein fortwirken könnte. Manmüsse deßhalb als allgemeinen Grund dieses Einflussesdie Schwäche des Willens aller dieser Kranken annehmen,die es nöthig haben, daß man für sie entscheide undhandle. Die Schwäche der Fähigkeit zur Synthese machegewisse Personen notwendigerweise abhängig von anderen;sie können nicht allein leben, sie müssen gehorchen. DasStudium des somnambulen Einflusses ermöglicht uns, soschloß der Redner, alle diese socialen Gefühle, welchezwischen den Menschen zusammenhängende Gruppen undhierarchische Beziehungen bilden, besser zu begreifen. (?) Kurz sei noch ein Fall erwähnt, den Dr. Janet inVerbindung mit Dr. Raymond dem Congresse zur Kennt-niß brachte. Es handelt sich angeblich umsystematisirtehysterische Contracturbei einer Extatischen" (LcmtraoturssMewatisäs alias uns extati^ns ( 310 !).DieseKlinische Beobachtung* soll uns ein neues Beispielfür den Einfluß des Gedankens auf den Körper geben.ES handle sich um eine Frau, 42 Jahre alt, die seitmehr als 2 Jahren eine eigenartige Contractur beiderBeine habe. Sie geht deßhalb beständig auf den Zehen,wie eine Tänzerin. Merkwürdig sei, daß dieses Phänomenmit einer Idee zusammenhänge. Sie leide nämlich alsHysterische an religiösem Wahnsinn, habe wahre Anfällevon Extase und glaube, beständig zum Himmel empor-znschweben.Mein Körper wird erhoben," sagt sie,erund ich muß mich bemühen, um noch die Erde mit denZehenspitzen zu berühren." Es wäre interessant, Näheresüber diesen Fall zu erfahren.

(Schluß folgt.)

Beiträge znr Entzifferung der mosaischenSchöpsungsurkunde.

Von Joh. Du müller, Kaplan in Holzheim.

(Schluß.)

Die zweite Frage wäre, wie Moses so allgemeinund ausschließlich am dritten Tage von der Erschaffungder Pflanzenwelt, und später analog von den Wasser-und Landthieren sprechen kann, da doch nur die Ur-anfänge der Pflanzen- und Thierwclt zeitlich getrenntsind, die Entstehung weitaus der meisten beiderseitigenArten aber gleichzeitig ist. Diese Ausdrucksweise deSMoseS findet ihre volle Berechtigung und einfachste Er-klärung, wenn wir ohne dabei andere Erklärungenals unberechtigt hinstellen zu wollen mit den meistenNaturforschern einen genetischen Zusammenhang derPflanzen unter sich, eine Descendenz annehmen. Abergeht es denn an, sich zu einer natürlich nicht zu derunter Führung Häckels zu Unsinn und Unwissenschaft-lichkeit ausgewachsenen darwinistischen Descendenz-theorie zu bekennen? Da diese Frage schon an sich, wieauch für die Auslegung des Schöpfungsberichtes wichtigist, so seien mir einige andeutende Worte hierüber ge-stattet. Daß es überhaupt eine Entwicklung in der or-ganischen Welt gäbe, leugnen heutzutage nur mehr wenige,

und kaum mit stichhaltigen Gründen; wie diese Entwick-lung vor sich ging und wie weit sie sich erstreckt hat, isteine noch ungelöste Frage. Daß die Erde während ihrerEntwicklung nicht immer von den heute lebenden Pflanzenund Thieren bevölkert war, daß diese vielmehr in denverschiedenen Epochen verschieden waren und von denersten Epochen bis zur Jetztzeit von den niederen Gatt-ungen zu den höheren allmählig aufgestiegen sind, diessind geologische Thatsachen, die von niemand geleugnetwerden können. Den Versuch, aus dem Umstände, daßdie Art und Weise der Entwicklung noch nicht mit Be-stimmtheit eruirt werden konnte, auf die Nichicxistenzdieser selbst schließen zu wollen, können wir ruhigacta. legen. Dagegen sagen die Gegner jeglicher De-scendenz: allerdings hat bei Pflanzen und Thieren dieHöhe einer Organisation mit dem Alter der Erde zuge-nommen, aber wir haben es hier nicht mit einer wirk-lichen, auf Grund eines natürlichen Gesetzes stattfinden-den Entwicklung, nicht mit einem genetischen Zusammen-hang der Organismen zu thun, wir dürfen nicht sagen:xosd Iioe, ergo xrvxtsr stoo, sondern Gott hatimmer wieder, je nach den Forderungen der klimatischenVerhältnisse und dergleichen neue Pflanzen und Thiereerschaffen. Allein diese Behauptung hinkt auf beidenFüßen ganz bedeutend, sowohl auf dem naturwissenschaft-lichen, als auch auf dem theologischen. Es ist in einerempirischen Wissenschaft unerhört, ohne zwingenden Grundauf die natürliche Erklärung einer sich darbietenden Er-scheinung zu verzichten. Wenn eS schon in der Exegeseals Grundsatz gilt, bei Erklärung der in der hl. Schrifterzählten Ereignisse solange an natürlichen Gründen undUrsachen festzuhalten, bis wir gezwungen sind, zumWunder, zu einem außerordentlichen Eingreifen Gottesunsere Zuflucht zu nehmen, so muß es noch viel mehrin der Naturwissenschaft als oberster Grundsatz gelten,naturwissenschaftliche Thatsachen solange naturwissenschaft-lich zu erklären, bis wir schlechterdings gezwungen sind,ein außerordentliches Eingreifen des Schöpfers anzu-nehmen. Der einzige zwingende Grund wäre aber hier,eine vorgefaßte Meinung. Man entgegnet uns: Dieunzähligen Neuschöpfungen waren schon im Schöpfungs-plan aufgezeichnet und deßhalb kein außerordentlichesEingreifen Gottes. Allein gibt es dann überhaupt nochein außerordentliches Eingreifen Gottes? Dann findeben alle Wunder schon von Ewigkeit her in denSchöpfungs- und Negierungsplan der Welt aufgenom-men. Nicht minder schlecht bestellt scheint die theologischeBegründung jener Theorie von der Erschaffung der ein-zelnen Species. Mit der Allmacht Gottes läßt sie sichschließlich vereinigen, aber wohl nur auf Grund einersehr rohen Auffassung derselben. Denn für die Hand-lungen Gottes ist nicht seine Allmacht bestimmend, son-dern seine unendliche Weisheit. Ob nun ein Werk, beiwelchem Gott bei jeder Aenderung der äußeren Verhält-nisse immer wieder neue Pflanzen und Thiere erschaffenmußte, weil die alten nichts mehr taugten, ob ein Werk,das so wenigem Stande war, sich aus den von Gott ihm eingepflanzten Gesetzen und Kräften zu der vonAnfang an bestimmten Gestalt zu entwickeln, daß Gottunzählige Male eingreifen mußte, gerade besondersgeeignet wäre, die Weisheit Gottes zu verkünden, dürftedoch mehr als fraglich sein. Die Idee der Einzel-schöpfung aller Species birgt eine gewisse Unvollkommen-heit in sich, die mit unseren Begriffen von der unend-lichen Weisheit Gottes^ nicht recht vereinbar fein will.