Druckschrift 
10 (1839)
Entstehung
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Zu Zcrus.,lc»,S philosophischen Aufsätze».

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Zugegeben, daß die Mensche» die Sprache selbst erfinden kön-nen; wenn gleichwol ans die Erfindung derselbe», wie sich ver-muthen läßt, eine so geraume Zeit, vielleicht so viele vieleZahrhunderte vergehen müssen: so war es ja wol der Güte desSchöpfers gemässcr, zum Besten derer, welche in diesen sprach-losen Zeiten ein so kümmerliches, kaum Leben zu nennendesLeben gelebt hätten, dem Dinge seinen langsamen ganz natür-lichen Lauf nicht zu lasse», sondern den Weg jenes Unterrichtszu wähle». Wie viel dieser Wahrscheinlichkeit durch die in denältesten Geschichtschreibern aufbewahrte Tradition zuwächst; wasfür Winke oder Andeutungen hierüber sich in dem Buche fin-den, das in allem Bcrstandc immer so schätzbar bleibet: diesesaufs Reine zu bringen, wäre auch immer eine sehr interessanteUntersuchung. Nur ist es keine Untersuchung für den Philoso-pbcn, den nichts nötbigcn kann, sich darauf cmznlassc». So-bald der Philosoph erwiese» hat, daß dem erste» Mciischc» dieSprache durch Wunder nicht mitgetheilet seyn kann; und er»»»mehr zeiget, wie und wodurch sie auf die Erfindung dersel-ben nicht wohl anders als fallen müssen, zugleich noch beyfügt,was die Anbauung und Ausbildung dieser Ersinduug erleichternund beschleunigen können: so hat er nicht allein alles gethan,was man von ihm erwarten darf, sondern hat auch hinlänglichden Folgerungen vorgebaut, für welche Einige die Hvpothcsedes höher» Unterrichts gern brauchen möchten.

Auch der zweyte Aufsatz ist durch jene »cbmlichc Aufgabeveranlaßt worden. Er sollte den Weg bahnen, eine der vor-nehmsten Schwierigkeiten zu heben, die man gegen die natür-liche Entstehung der Sprache zu machen pflegt. Weil sich ohneZeiche» allgemeiner Begriffe keine Sprache dmkcn lasse; allge-meine Begriffe aber nur die Frucht einer mühsamen Abstraktionsei'» solle», welche ohne Gebrauch symbolischer Zeichen kaummöglich sey: so müsse, sagt man, der Mensch ja wohl eineSprache schon gehabt haben, um die Sprache zu erfinden.Aus diesem Zirkel ist man auf einmal heraus, wenn man dieErklärung unsers Verfassers annimmt, nach welcher es zu all-gemeine» Begriffe» der Abstractio» gar nicht bedarf. Denn,gesetzt auch, daß diese Erklärung nicht auf alle und jede allgc-