10 Zur Geschichte und Litteratur, Aicrter Ncytrug,
Der gewiß nicht. Jenem höchstens könnte es zur Verwirrunggereichen, die Stützen, welche er der Religion unterziehen wol-len, so erschüttert zu sehen; die Strebepfeiler so niedergeris-sen zu finden, mit welchen cr, wenn Gott will, sie so schönverwahret hatte. Aber was geben dem Christen dieses MannesHypothesen, und Erklärungen und Beweise an? Ihm ist esdoch einmal da, das Christenthum, welches cr so wahr, inwelchem cr sich so selig fühlet, — Wenn der Paralyticus diewohlthätigen Schläge des Elektrischen Funkens erfährt: waskümmert es ihn, ob voller, oder ob Franklm, oder ob keinervon beyden Recht hat? —
Kurz: der Buchstabe ist nicbt der Geist; und die Bibel istnicht die Religion. Folglich sind Einwürfe gegen den Buchsta-ben, und gegen die Bibel, nicht eben auch Einwürfe gegen denGeist und gegen die Religion.
Denn die Bibel enthält offenbar Mehr als zur Religiongehöriges: und es ist bloße Hypothes, daß sie in diesem Mcb-rcrn gleich unfehlbar seyn müsse. Auch war die Religion, eheeine Bibel war. Das Ehristcntbum war, ehe Evangelisten undApostel geschrieben hatten. Es verlief eine geraume Zeit, eheder erste von ihnen schrieb; und eine scbr beträchtliche, ehe derganze Kanon zu Stande kam. Es mag also von diesen Schrif-ten noch so viel abhängen: so kann doch unmöglich die ganzeWahrheit der Religion auf ihnen beruhen. War ein Iciiraum,in welchem sie bereits so ausgebreitet war, in welchem sie be-reits sich so vieler Seelen bemächtiget hatte, und in wclcbcmgleichwol noch kein Buchstabe aus dem von ihr ausgezeichnetwar, was bis ans Uns gekommen: so muß es auch möglichseyn, daß alles, was Evangelisten und Apostel geschrieben ha-ben, wiederum verloren gänge, und die von ihnen gelehrteReligion doch bestände. Die Religion ist nicht wahr, weil dieEvangelisten und Apostel sie lehrten: sondern sie lehrten sie,weil sie wahr ist. Aus ihrer innern Wahrheit müssen dieschriftlichen Ueberlieferungen erklärt werden, und alle schriftlicheUeberlieferungen können ihr keine innere Wahrheit geben, wennsie keine hat.