Ueber den Beweis des Geistes und der Kraft.
Weissagungen lind Wundern, sollen durch ein Medium wirken,das ihnen alle Kraft benimmt.
Den (Prigcncs anführen, und ihn sagen lassen, „daß der„Beweis der Kraft wegen der erstaunlichen Wunder so heisst,„die zur Bestätigung der Lehre Christi geschehen:" ist nicht all-zuwohl gethan, wenn man das, was unmittelbar bey demOrigcncs darauf folgt, seinen Lesern verschweigt. Denn dieLeser werden den Origcncs auch aufschlagen, und mit Befrem-den finden, daß cr die Wahrheit jener bey der Grundlegungdes Christenthums geschehenen Wunder, Tro^cvv «^uiv,und also aus der Erzählung der Evangelisten wohl mit, aberdoch vornehmlich und namentlich aus den Wundern erweiset,die noch damals geschahen.
Wenn nun dieser Beweis des Beweises itzt gänzlich wegge-fallen; wenn nun alle historische Gewißheit viel zu schwach ist,diesen weggefallenen augenscheinlichen Beweis des Beweises znersetzen: wie ist mir denn zuzumuthcn, daß ich die nehmlichenunbegreiflichen Wahrheiten, welche Leute vor 16 bis 18 hun-dert Jahren auf die kräftigste Bcranlassung glaubten, auf eineunendlich mindere Veranlassung eben so kräftig glauben soll?
Oder ist, ohne Ausnahme, was ich bey glaubwürdigenGeschichtschreibern lese, für mich eben so gewiß, als was ichselbst erfahre?
Das wüßte ich nicht, daß es jemals ein Mensch behauptethätte: sondern man behauptet nur, daß die Nachrichten, diewir von jenen Weissagungen und Wundern haben, eben so zu-verlässig sind, als nur immer historische Wahrheiten seyn kön-nen. — Und freylich, fügt man hinzu, könnten historische Wahr-heiten nicht dcmonstrirct werden: aber dem ohngcachtct müsseman sie eben so fest glauben, als dcmonstrirte Wahrheiten.
Hierauf nun antworte ich. Erstlich; wer leugnet es, —ich nicht — daß die Nachrichten von jenen Wundern undWeissagungen eben so zuverlässig sind, als nur immer historischeWahrheiten seyn können? — Aber nun: wenn sie nnr ebenso zuverlässig sind, warum macht man sie bey dem Gebraucheauf einmal unendlich zuverlässiger?
Z"