3«
Ueber den Beweis des Geistes und der Kraft.
Und wodurch? — Dadurch, daß man ganz andere nndmehrere Dinge ans sie bauet, als man auf historisch erwieseneWahrheiten zu bauen befugt ist.
Wenn keine historische Wahrheit dcmonstrirct werden kann:so kann auch nichts durch historische Wahrheiten dcmonstrirctwcrdcn.
Das ist: zufällige Geschicktswahrheiten ksnnen der Be-weis von nothwendigen Vcrnnnftswahrheitcn nie werden-
Zch lcugne also gar nicht, daß in (5bristo Weissagungenerfüllet worden; ich leugne gar nicht, daß Lbrisius Wunder gc-than: sondern ich leugne, daß diese Wunder, seitdem ibrc Wabr-hcit völlig anfgchörct hat, durch noch gegenwärtig gangbareWunder erwiesen zu wcrdcn; scitdcm sic nichts als Nachrichtenvon Wundern sind, (mögen doch diese Nachrichten so unwider-sprochen, so linwidcrsprcchlich scvn, als sic innncr wollcn:) michzu dem geringsten Glauben an Christi anderweitige t!ebrcn vcr-bindcn könncn und dürffcn. Dicsc anderweitigen Lehren nehmeich aus anderweitigen Gründen an.
Denn ;weyrcns: was heißt einen historischen Satz für wabrhalten? eine bistorische Wahrheit glauben? Heißt es im gering-sten etwas anders: als diesen Satz, diese Wahrheit gelten lassen?nichts darwidcr einzuwcndcn habcn? sich gefallen lassen, daß einandrer einen andern historischen Satz darauf bauet, eine andrehistorische Wahrheit daraus folgert? sich selbst vorbehalten, an-dere historische Dinge darnach zu schätzen ? Heißt eS im gering-sten etwas anders? etwas mehr? Man prüfe sich genau!
Wir alle glauben, daß ein Alerandcr gelebt hat, welcherin kurzer Zeit fast ganz Asien besiegte. Aber wer wollte, aufdiesen Glauben hin, irgend etwas von großem dauerhaften Be-lange, dessen Verlust nicht zu ersetzen wäre, wagen? Wer wollte,diesem Glauben zu Folge, aller Kenntniß auf ewig abschwören,die mit diesem Glauben stritte? Zch wahrlich nicht. Ich habeitzt gegen den Alexander und seine Siege nichts einzuwenden:aber es wäre doch möglich, daß sie sich eben so wohl auf einbloßes Gcdicht des Choerilus, welcher den Alerandcr überallbegleitete, gründeten, als die zehnjährige Belagerung von Trojasich auf weiter nichts, als auf die Gedichte des Homers gründet.