Druckschrift 
10 (1839)
Entstehung
Seite
37
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Ueber den Beweis des Geistes und der Kraft.

Wenn ich folglich historisch nichts darwidcr einzuwendenhabe, daß Christus einen Todten erweckt: muß ich darum fürwahr halten, daß Gott einen Sohn habe, der mit ihm gleichesWesens sey? Zn welcher Verbindung steht mein Unvermögen,gegen die Zeugnisse von jenem etwas erhebliches einzuwenden,mit meiner Verbindlichkeit etwas zu glauben, wogegen sich meineVernunft sträubet?

Wenn ich historisch nichts darwidcr einzuwenden habe, daßdieser Christus selbst von dem Tode auferstanden: muß ich darumfür wahr halten, daß eben dieser auferstandene Christus derSohn Gottes gewesen sey?

Daß der Christus, gegen dessen Auferstehung ich nichts Hi-storisches von Wichtigkeit einwenden kann, sich deswegen fürden Sohn Gottes ausgegeben; daß ihn seine Jünger deswegendafür gehalten: das glaube ich herzlich gern. Denn diese Wahr-heiten, als Wahrheiten einer und eben derselben Klasse, folgenganz natürlich aus einander.

Aber nun mit jener historischen Wahrheit in eine ganz andreKlasse von Wahrheiten herüber springen, lind von mir verlan-gen, daß ich alle meine metaphysischen und moralischen Begriffedarnach umbilden soll; mir zumuthen, weil ich der AuferstehungChristi kein glaubwürdiges Zeugniß entgegen setzen kann, allemeine Grundideen von dem Wesen der Gottheit darnach abzu-ändern: wenn das nicht eine ^l.r5«jZ«o-i? et? «>.X,c> ?-5,>v? ist;so weiß ich nicht, was Aristoteles sonst unter dieser Benennungverstanden.

Man sagt freylich: aber eben der Christus, von dem du bi-storisch mußt gelten lassen, daß er Todte erweckt, daß er selbstvom Tode erstanden, hat es selbst gesagt, daß Gott einen Sohngleiches Wesens habe, und daß Er dieser Sohn sey.

Das wäre ganz gut! Wenn mir nicht, daß dieses Christusgesagt, gleichfalls nicht mehr als historisch gewiß wäre.

Wollte man mich noch weiter verfolgen und sagen,O doch!das ist mehr als historisch gewiß; denn inspirirte Geschicht-schreiber versichern cS, die nicht irren können:"

So ist auch das, leider, nur historisch gewiß; daß dieseGeschichtschreiber inspirirt waren, und nicht irren konnten.