Druckschrift 
10 (1839)
Entstehung
Seite
51
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Mit Nichten! Ich gab den Vordersatz zu; und leugnetedie Folge.

Ich gab den Vordersatz zu; weil ich nach vielfältigen auf-richtigen Versuchen, ihn nicht zugeben zu dürfen, wich über-zeugte, wie schlecht es mit allen evangelischen Harwoniccn be-stellt sey. Denn, überhaupt von ihnen zu reden, getraue ichmir, nach eben den Regeln, welche sie zum Grunde legen,schlechterdings ohne Ausnahme alle und jede vcrschiednc Erzäh-lungen der nehmlichen Begebenheit in nicht mindere Ueberein-stimmung zu setzen. Wo Geschichtschreiber nur in der Haupt-sache übereinkommen, bietet die Methode unsrer evangelischenHarmonistcn allen übrigen Schwierigkeiten Trotz. Man sollsie so toll nicht erdenken können: ich will sie gar bald in Ord-nung haben, und mein jedesmaliges Verfahren mit ihnen, mitdem Verfahren irgend eines berühmten Harmonistcn belegen.

Aber ich leugnete meinem Ungenannten die Folge. Undwer hat sich je in der Prosangcschichte die nehmliche Folgerungerlaubt? Wenn Livius und Polybius und Dionysius und Ta-citus eben dieselbe Eräugnung, clwa eben dasselbe Treffen,eben dieselbe Belagerung, jeder mit so verschiedenen Umständenerzählen, daß die Umstände des einen die Umstände des andernvöllig Lügen strafen: hat man darum jemals die Eräugnungselbst, in welcher sie übereinstimmen, geleugnet? Hat man sichnie getrauet, sie eher zu glauben, als bis man Mittel undWege ausgcsonncn, jene widcrspännstige Verschiedenheit vonUmständen wenigstens, gleich stössigcn Böcken, in einen engenStall zu sperren, in welchem sie das Widercinanderlaufcn wohlunterlassen müssen?

Das wahre Bild unsrer harmonischen Paraphrasen derEvangelisten! denn leider bleiben die Böcke darum doch immerstössig, wenden darum doch immer die Köpfe und Hörner nochgegen einander, und reiben sich, und drängen sich. Ey magauch! Genug, daß der unverträglichen Böcke eben so viele indem engen Stalle sind, als der geduldigen cinvcrstandncnSchafe nur immer hineingehen würden.

O der schönen Eintracht! Ohne eine solche immer gährende,brausende, aufstosscnde Harmonie, sollten LiviuS und Polybius,

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