Druckschrift 
10 (1839)
Entstehung
Seite
58
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Eine Duplit,

Wen» ich jemals so richtig, so klug zu denken sähig bin, so istes um meinen Verstand geschehen. Das sagt mir mein Ver-stand itzt. Und habe ich jemals einen ander» Verstand: so hatteich nie einen.

Die Wunder, die Christus und seine Jünger thaten, warendas Gerüste, und nicht der Bau. Das Gerüste wird abge-rissen, sobald der Bau vollendet ist. Den muß der Bau we-nig intcressiren, der seine Nortrcfflichkcit nur aus dem abgerisse-nen Gerüste beweisen zu dürfen glaubt, weil die alten Bau-rcchnungcn vermuthen lassen, daß ein eben so großer Meisterzu dem Gerüste müsse gehört haben, als zu dem Baue selbst.Kann wohl seyn! Aber borgen nnd wagen will ich doch imgeringsten nichts auf diese Vermuthung; noch weniger will ich,durch dieses Vorurtheil von dem Gerüste, mich im geringstenabhalten lassen, den Bau selbst nach den eingestandenen Regelneiner guten Architektur zu prüfen.

Wann wird man aufhören, an den Faden einer Spinnenichts weniger als die ganze Ewigkeit hängen zu wollen!Nein; so tiefe Wunden hat die scholastische Dogmatik der Re-ligion nie geschlagen, als die historische Ercgctik ihr itzt täg-lich schlägt.

Wie? Es soll nicht wahr seyn, daß eine Lüge historischungczwcifclt bewiesen werden könne? Daß unter den tausendund tausend Dingen, an welchen zu zweifeln uns weder Ver-nunft noch Geschichte Anlaß geben: daß unter diesen tausendund tausend Dingen auch wohl ungeschehene Sachen mit unter-laufen könnten? Es soll nicht wahr seyn, daß unendliche Fakta,wahre unstreitige Fakta gewesen, für die uns dennoch die Ge-schichte zu wenige, zu unwichtige Zeugnisse hinterlassen, als daßwir sie ohne Leichtsinn glauben könnten?

Das soll nicht wahr seyn? Freylich, wen» cS wahr ist:wo bleiben alle historische Beweise für die Wahrheit der christ-lichen Religion? Wo sie wollen! Wäre es denn ein großesUnglück, wenn sie endlich einmal wieder in den Winkel desZeughauses gestellt würden, in welchem sie »och vor fünfzigIahren standen?