Eine Duplit,
Wen» ich jemals so richtig, so klug zu denken sähig bin, so istes um meinen Verstand geschehen. Das sagt mir mein Ver-stand itzt. Und habe ich jemals einen ander» Verstand: so hatteich nie einen.
Die Wunder, die Christus und seine Jünger thaten, warendas Gerüste, und nicht der Bau. Das Gerüste wird abge-rissen, sobald der Bau vollendet ist. Den muß der Bau we-nig intcressiren, der seine Nortrcfflichkcit nur aus dem abgerisse-nen Gerüste beweisen zu dürfen glaubt, weil die alten Bau-rcchnungcn vermuthen lassen, daß ein eben so großer Meisterzu dem Gerüste müsse gehört haben, als zu dem Baue selbst. —Kann wohl seyn! — Aber borgen nnd wagen will ich doch imgeringsten nichts auf diese Vermuthung; noch weniger will ich,durch dieses Vorurtheil von dem Gerüste, mich im geringstenabhalten lassen, den Bau selbst nach den eingestandenen Regelneiner guten Architektur zu prüfen. —
Wann wird man aufhören, an den Faden einer Spinnenichts weniger als die ganze Ewigkeit hängen zu wollen! —Nein; so tiefe Wunden hat die scholastische Dogmatik der Re-ligion nie geschlagen, als die historische Ercgctik ihr itzt täg-lich schlägt.
Wie? Es soll nicht wahr seyn, daß eine Lüge historischungczwcifclt bewiesen werden könne? Daß unter den tausendund tausend Dingen, an welchen zu zweifeln uns weder Ver-nunft noch Geschichte Anlaß geben: daß unter diesen tausendund tausend Dingen auch wohl ungeschehene Sachen mit unter-laufen könnten? Es soll nicht wahr seyn, daß unendliche Fakta,wahre unstreitige Fakta gewesen, für die uns dennoch die Ge-schichte zu wenige, zu unwichtige Zeugnisse hinterlassen, als daßwir sie ohne Leichtsinn glauben könnten?
Das soll nicht wahr seyn? — Freylich, wen» cS wahr ist:wo bleiben alle historische Beweise für die Wahrheit der christ-lichen Religion? — Wo sie wollen! Wäre es denn ein großesUnglück, wenn sie endlich einmal wieder in den Winkel desZeughauses gestellt würden, in welchem sie »och vor fünfzigIahren standen?