Eine Tuplik,
IN.
Bey dieser meiner Gesinnung von der historischen Wahrheit,die weder ans Skepticismus entstehet, noch auf Skepticismusleitet, war es also gewiß keine ernsthafte Ausmunternng, wennich in meinen Gegensätzen schrieb: „Der Man», der die Un-„trüglichkcit der Evangelisten in jedem Worte behaupten wolle,„finde auch hier sin der Anfcrstchungsgeschichtc) noch unbear-beitetes Feld genug." Zch setzte freylich hinzu: „Er versuche„es nnn, und beantworte die gerügten zehn Widersprüche un-„sers Fragments." Aber in diesem Tone schreckt man auchab; lind das wollte ich. Abschrecken wollte ich. Denn ichsagte weiter: „Nur beantworte er sie alle, diese gerügten Wi-dersprüche. Blos diesem und jenem etwas wahrscheinliches„entgegen setzen, und die übrigen mit triumphircndcr Verachtung„übergehen, heißt keine» beantworten."
Nun habe ich nie erwartet, daß man ans meine Ermunte-rung irgend etwas thun, oder auf meine Abschreckung irgendetwas unterlassen müsse. Mein Gewissen giebt mir das Zeug-niß, daß ich so eitel zu seyn nicht fähig bin. Alles, was ichmir in diesem Pnnktc selbst vorwerfen kann, ist dieses: daß esmich aber doch ein wenig befremdet, wenn auf meine Ermnn-tcrnng etwas zu thun, gerade das ncbmlichc unterlassen; undans meine Abschreckung etwas zu unterlassen, gerade das nehm-liche gethan wird.
Doch anch diese Besrcmdung ist wahrlich nicht Stolz; istwahrlich nicht Unlcidlichkcit, von meinem gnten Nachbar Zafür Nein, und Nein für Za zu hören. Ich kann mir nurnicht gleich einbilden, daß ich meinen guten Nachbar, oder daßmich mein guter Nachbar gehörig verstanden. — So horche ichdenn »och einmal hin, — und denn auf ewig nicht mehr. —
Wahrhastig also, lieber Nachbar? wahrhaftig? — Anfalle,auf alle die gerügten Widersprüche bast dn dir getrauet, zuantworten ? befriedigend zu antworten ? — Und glaubst wirklichnnn nicht weniger geleistet zu haben, als du dir getrauet? —
So würde ich freundschaftlich meinem Nachbar nntcr vierAugen zusprechen, wenn ich ihn kennte; wenn ich seinen Namen