Druckschrift 
10 (1839)
Entstehung
Seite
69
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Eine Duplik.

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leicht die hebräischen Weiber in Galiläa andre Salbungsgebräuchegehabt, als in Jerusalem üblich waren; daß es vielleicht eindoppeltes Salbuiigsgcschäft gegeben, eines vor Fäulniß undVerwesung, welches die Männer besorgen müssen, und einesvor Wohlgcruch, womit sich die Weiber abgaben. Alles das istblos gefabelt, lieber Nachbar; und ohne allen Grund in derGeschichte gefabelt. Besonders Ihr Einfall von dem doppeltenBalsamirungsgcschäfte, der dem Hrn. A. so sehr gefällt, hättedoch wohl erst müssen andcrwcits aus der Geschichte erwiesenwerden; damit er nicht einzig und allein aus eben dem Umständeabgesondert scheine, zu dessen Beglaubigung Sie ihn anwen-den. Nicht?

Doch die Grundlosigkeit dieses Einfalls vom doppelten Sal-bungsgcschäfte, ist noch bey weitem nicht seine schlimmste Seite.Wenn wir ihn gelten lassen, lieber Nachbar, sehen Sie dennnicht, daß er den Johannes offenbar Lügen straft? Johannessagt, daß Joseph und Nicodcmus den Leichnam Ehristi sobegraben, ganz so, rvie vie Juden zu begraben pflegen.Und Sie sagen mit Ihrem raren Einfalle: nein, nicht so, nichtganz so; denn sie hatten nur die eine Hälfte der Salbung,die Salbung wider die Fäulniß vollzogen, und die andre Hälfte,des Wohlgcruchs wegen, war noch übrig, und wie billig, denfrommen Weibern übrig gelassen worden, deren Nase so eckcl ist.

O der trefflichen Harmonie, die zwey widersprechende Nach-richten, die wörtlich bey den Evangelisten stehen, nicht andersvereinigen kann, als durch Erdichtung einer dritten Nachricht,von der kein einziger Evangelist eine Sylbe sagt!

O der erbaulichen Harmonie, die einen Evangelisten vondem armseligen elenden Widersprüche eines andern Evangelisten (armselig und elend, wegen der Unbcträchtlichkcit des Umstandcs)auf keine andrc Weise retten kaun, als daß sie diesen oderjenen an einem andern Orte zum Lügner macht!

Dritter MiSersprucl?.

Matthäus sagt, daß vor den Augen der Maria Magda -lcna, und der andern Maria, geschehen sey, was die übrigenEvangelisten sie, bey Annäherung des Grabes, bereits gcschcbcnfinden lassen."