Druckschrift 
10 (1839)
Entstehung
Seite
68
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Eine Duplik.

Und das, dächte ich, wäre klar. Wenigstens ist mir eSnoch klar, nachdem ich alles sorgfältig erwogen, was mein gu-ter Nachbar darwidcr vorbringt, und fast ein wenig zu gräm-lich vorbringt. Denn er nennt diesen Widerspruch gerade zueinen erträumten Widerspruch, und sagt:Eine Sache thunwollen, die ein andrer schon gethan hat, die sich aber auchzweymal thun läßt, das streitet offenbar nicht mit einander."Freylich nicht, lieber Nachbar. Aber ist denn die völlige Be-stattung eines Leichnams, wobey nichts vergessen worden, wasdie Gebräuche des Landes und Volks erfordern, dergleichennach dem Johannes die Bestattung des Joseph und Nicodcmnsgewesen, ist denn die etwas, was sich zwcymal thun läßt? vonvernünftigen Leuten zwcymal thun läßt? Gründet sich bey demMarcus und Lucas denn nicht offenbar die vorgehabte Bal-samirung der Weiber, auf die nicht völlige Bestattung durchJoseph von Arimathia ? So wie die völlige Bestattung durchJoseph von Arimathia und Nicodcmus beym Johannes dochwohl der Grund ist, warum er von einer vorgehabten Bal-samirung der Weiber nichts sagt? Wollige Bestattung, undnicht völlige: das widerspricht sich doch? Gestehen Sie, lie-ber Nachbar, Sie haben gar nicht einmal eingesehen, worauses hier eigentlich ankömmt! Wenn bey Einem Evangelistenalles beides stünde; wenn Ein Evangelist sagte, daß Josephund Nicodcmus die Leiche auch gesalbt hätten, und cbcndcrsclbcsagte nicht weniger, daß ihn die Weiber ebenfalls salben wol-len; und man wollte alsdcnn diesen Evangelisten in Wider-spruch mit sich selbst setzen: so käme Ihre Antwort noch einwenig zu Passe. Denn alsdcnn wäre es durch diesen Evange-listen selbst festgesetzt, daß die Salbung cincs Leichnams zwey-mal geschehen könne, lind wir müßten uns alle mit blos mög-lichen Gründen bcgnügcn, warum sie zum zwcytcnmalc untcr-nommcn worden. Da aber kcin Evangelist von so einer doppeltenSalbung spricht; da diese vorgehabte doppelte Salbung nur inder Harmonie steht, und doch wohl nicht auch die Harmonievon dem h. Geiste eingegeben ist: so ist es blos gefabelt, guterNachbar, wenn Sie sagen, daß vielleicht die erste Salbung denlieben accuraten Weiberchcn nicht gut genug gewesen; daß viel-