Eine Duplik.
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also in einer ganz andern Rücksicht geschehen, wie ich weiter-hin erklären will.) Allein, worüber streiten wir denn sodann,lieber Nachbar? — Schlafen Sie mir nicht wieder ein, weilSie hören, daß wir um nichts streiten! — Worüber streitenwir dann? Wenn Marcus einen Umstand der Auferstehungs-gcschichte nicht wußte, den Johannes wußte; wenn er diesemseinen Nichtwissen gemäß schrieb und schreiben durfte: war esdenn möglich, daß er nicht in Widerspruch mit dem fiel, derden nehmlichen Umstand wußte, und diesem seinen Wissen ge-mäß schrieb und schreiben durfte? Zeder baute ja weiter aufdas, was er wußte, oder nicht wußte; und was der Eine nichtwußte, nahm er ja als nicht geschehen an. Sie geben dieQuelle aller Widersprüche zu, Nachbar: und wollen nur, daßsie nicht stießen soll. Sie halten, wie ein spielendes Kind, denAuSbruch des Strahls mit der Hand zurück: als ob Sie ihnimmer mit Ihrem Händchen zurückhalten könnten; als ob derStrahl das Händchen endlich doch nicht wegprcssen, und dasKindchen noch oben drein bespritzen würde! — Ha! Sie ma-chen große Augen? Hat Sie das tändelnde Gleichniß so mun-ter gemacht? — Da es also nur lächerlich seyn würde, wennSie, unter der Voraussetzung, daß die Evangelisten nicht alledie nehmliche vollständige Nachricht von dem gehabt, was beyder Auferstehung Christi vorgefallen; unter dem Eingcständniß,daß der h. Geist einen jeden nach dem Maaße seiner cingc-zogncn Knndsckaft, auf bestes Wissen und Gewissen, schreibenlassen — Da es, sag ich, nur lächerlich seyn würde, wen»Sie, unter dieser ÄorauSsctzung, unter diesem Einvcrständniß,sich amnaasscn wollten, alle nunmehr natürlicher und nothwendi-ger Weise unter den Evangelisten eintretende Widersprüche zu he-be» --Aber wie wird Ihnen auf einmal, Nachbar? Warum
so zornig? Mit stummen Grimme weisen Sie auf Ihre eigneWorte, hat Marcus für gut gefunden, den mehr erwähn-ten Umstand von der Entfernung der Magdalena vorbeyzu lassen; und weisen nochmals auf das, hat er gut gefunden-Ich verstehe! Sie wollen sagen, daß cö Ihnen nicht einge-kommen, den ersten Fall meines übcrflüßigen Dilemma hieranzunehmcn. Marcus müsse ja wohl gewußt haben, was er