Druckschrift 
10 (1839)
Entstehung
Seite
85
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Eine Duplik.

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also in einer ganz andern Rücksicht geschehen, wie ich weiter-hin erklären will.) Allein, worüber streiten wir denn sodann,lieber Nachbar? Schlafen Sie mir nicht wieder ein, weilSie hören, daß wir um nichts streiten! Worüber streitenwir dann? Wenn Marcus einen Umstand der Auferstehungs-gcschichte nicht wußte, den Johannes wußte; wenn er diesemseinen Nichtwissen gemäß schrieb und schreiben durfte: war esdenn möglich, daß er nicht in Widerspruch mit dem fiel, derden nehmlichen Umstand wußte, und diesem seinen Wissen ge-mäß schrieb und schreiben durfte? Zeder baute ja weiter aufdas, was er wußte, oder nicht wußte; und was der Eine nichtwußte, nahm er ja als nicht geschehen an. Sie geben dieQuelle aller Widersprüche zu, Nachbar: und wollen nur, daßsie nicht stießen soll. Sie halten, wie ein spielendes Kind, denAuSbruch des Strahls mit der Hand zurück: als ob Sie ihnimmer mit Ihrem Händchen zurückhalten könnten; als ob derStrahl das Händchen endlich doch nicht wegprcssen, und dasKindchen noch oben drein bespritzen würde! Ha! Sie ma-chen große Augen? Hat Sie das tändelnde Gleichniß so mun-ter gemacht? Da es also nur lächerlich seyn würde, wennSie, unter der Voraussetzung, daß die Evangelisten nicht alledie nehmliche vollständige Nachricht von dem gehabt, was beyder Auferstehung Christi vorgefallen; unter dem Eingcständniß,daß der h. Geist einen jeden nach dem Maaße seiner cingc-zogncn Knndsckaft, auf bestes Wissen und Gewissen, schreibenlassen Da es, sag ich, nur lächerlich seyn würde, wen»Sie, unter dieser ÄorauSsctzung, unter diesem Einvcrständniß,sich amnaasscn wollten, alle nunmehr natürlicher und nothwendi-ger Weise unter den Evangelisten eintretende Widersprüche zu he-be» --Aber wie wird Ihnen auf einmal, Nachbar? Warum

so zornig? Mit stummen Grimme weisen Sie auf Ihre eigneWorte, hat Marcus für gut gefunden, den mehr erwähn-ten Umstand von der Entfernung der Magdalena vorbeyzu lassen; und weisen nochmals auf das, hat er gut gefunden-Ich verstehe! Sie wollen sagen, daß Ihnen nicht einge-kommen, den ersten Fall meines übcrflüßigen Dilemma hieranzunehmcn. Marcus müsse ja wohl gewußt haben, was er