Druckschrift 
10 (1839)
Entstehung
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141
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Axiomata.

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III. (t)

Der Buchstabe ist nicht Ver Geist, und die Bibel ist nichtdie Religion.

Wenn cs wahr ist, daß die Bibel mehr enthält, als zurReligion gehöret: wer kann mir wehren, daß ich sie, in so fernsie beides enthält, in so fern sie ein bloßes Buch ist, denBuchstaben nenne; und dem bessern Theile derselben, der Re-ligion ist, oder sich auf Religion beziehet, den Namen desGeistes beylege?

Zu dieser Benennung ist derjenige sogar berechtiget, der dasinnere Zeugniß des h. Geistes annimmt. Denn da dieses Zeug-niß sich doch nur bey denjenigen Büchern und Stellen derSchrift mehr oder weniger äußern kann, welche ans unseregeistliche Besserung mehr oder weniger abzweckcn: was ist billi-ger, als nur solchcrlcy Bücher und Stellen der Bibel den Geistder Bibel zu nennen? Ich denke sog.ir, cs streife ein wenigan Gotteslästerung, wenn man behaupten wollte, daß die Kraftdes H. Geistes sich eben sowohl an dem Geschlcchtsrcgistcr derNachkommen des Esau beym Moses, als an der BergpredigtJcsn bcmn Matthäus, wirksam erzeigen können.

Im Grunde ist dicscr Untcrscbicd zwischen dem Buchstabenund dem Geiste der Bibcl, der nehmliche, welchen andere auchgute Lutherische Theologen schon längst zwischen der heiligenSchrift und dem Worte Gottes gemacht haben. Warum hatHr. Pastor Goeze nicht erst mit diesen angebunden, ehe er ei-nem armen Layen ein Verbrechen daraus mackt, in ihre Fuß-tapfcn zu treten?

IV. (2)

Folglich sind die Einwürfe gegen den Buchstaben und gegendie Bibel, nicht eben auch Einwürfe gegen den Geistund gegen die Religion.Ganz gewiß hat eine Folge die Natur des Grundsatzes,aus welchem sie hergeleitet wird. Jener ist theils zugegeben,theils erwiesen. Sind Einwürfe gegen zufällige Erläuterungender Hauptsätze der christlichen Religion, keine Einwürfe gegendie Hauptsätze selbst: so können noch weniger Einwürfe gegen