Druckschrift 
10 (1839)
Entstehung
Seite
146
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Anomala.

lim nicht gar zu deutlich meiner Meynung zu scheinen. Dennman überlege doch nur! Wenn die Wahrheit der christlichenReligion Theils (dieses Theils hat er freylich nicht buch-stäblich hingeschrieben, aber sein Sinn erfodert es doch noth-wendig) wenn sie, sage ich, Theils aus sich selbst, d. i. aufihrer Uebereinstimmung mit den Eigenschaften und dem WillenGottes, Theils aus der historischen Gewißheit der kgetoi-um beru-het, auf die sich einige ihrer Lehrsätze gründen: entspringt nichtaus diesem doppelten Grunde, auch eine doppelte Ueberzeugung?Hat nicht jeder einzelne Grund seine Ueberzeugung für sich?Was braucht einer von beiden, die Ueberzeugung des andernzu entlehnen? Ist es nicht fauler Leichtsinn, dem einen dieUeberzeugung des andern zu gute kommen zu lassen? Ist esnicht leichtsinnige Faulheit, die Ueberzeugung des einen, aufbeide erstrecken zu wollen ? Warum soll ich Dinge, die ich des-wegen für rvahr hklren muß, weil sie mit den Eigenschaftenund dem Willen Gottes übereinstimmen, nur deswegen glau-ben, weil andre Dinge, die irgend einmal in Icit und Raummit ibucn verbunden gewesen, historisch erwiesen sind?

Es sey immerhin wahr, daß die biblischen Bücher alle dieFakta erweisen, worauf sich die christlichen Lehrsätze znm Theilgründen: Fakta erweisen, das können Bücher; und warum soll-ten es diese nicht können? Genug, daß die christlichen Lehrsätzesich nicht alle auf Fakta gründen. Die übrigen gründen sich,wie zugegeben, auf ihre innere Wahrheit: und wie kann dieinnere Wahrheit irgend eines Satzes von dem Ansehen desBuches abhängen, in dem sie vorgetragen worden? Das istoffenbarer Widerspruch.

Noch kann ich mich über eine Frage nicht genug wundern,die der Hr. Pastor mit einer Zuversicht thut, als ob nur LLineAntwort darauf möglich wäre.Würde, fragt er, wenn dieNeutestamcntlichen Bücher nicht geschrieben, und bis auf unsgekommen wären, wohl eine Spur von dem, was Christusgethan und gclchrct hat, in der Welt übrig geblieben seyn?" Gott behüte mich, jemals so klein von Christi Lehren zudenken, daß ich diese Frage so gerade zu mit Nein zu beant-worten wagte! Nein; dieses Nein spräche ich nicht nach, und