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Anoinata. 119
„selben in die Augen leuchten." — Vortrcflich! — Wo ist derSchriftsteller, dem ich nicht ein Sophisma, dem ich nicht eineGotteslästerung anflicken will, sobald ich ihm, statt seiner Worte,andere unterschieben darf? Andere? blos andere? Wenn es derbillige, der christliche Hr. Pastor dabey bewenden ließe! Aberer schiebt mir, statt meiner guten, statt meiner, wenn auch nichteinen wahren Sinn, doch einen Sinn habenden Worte, Worteunter, die schlechterdings gar keine» Sinn haben. Ich sage:die christliche Religion war, ehe von der christlichen Religionetwas aufgeschrieben wurde. Damit soll ich gesagt haben: diechristliche Religion war, ehe die christliche Religion gcvredigct,gcoffcnbarct wurde. Das ist, ich soll gesagt haben: die christ-liche Religion war, ehe die christliche Religion war. Bin ichdenn aus dem Tollhause entlaufen, um so etwas zu sagendzu schreiben?
Der Hr. Pastor fährt hierauf fort, mir Dinge vorzuhalten,an denen ich nie gezweifelt habe. Und warum? wozu? Da-mit seine Zcitungslescr glauben sollen, ich zweifle allerdingsdaran? — Schön! Seiner sehr anständig!
Nur wenn er nochmals in die Frage fällt, „Woher können„wir nun die Lehren und Thaten Christi nnd seiner Apostel„wissen?" und er sich selbst darauf antwortet, „Allein, aus„den Schreiben der Evangelisten und Apostel:" muß ich michnocbmals gegen dieses Allein vcrwabrc». Mit dem Zusätze:daß der größere Theil der Christen ihm dieses Allein eben sowenig zugicbt. Oder sind die Katholiken keine Christen? Wäreich kein Christ, wenn ich in diesem Stücke mich auf die Seiteder Katholiken neigte? Unartig gcnng, daß viele Protestantenden Beweis für die Wahrheit der chrisllicbcn Religion so füh-ren, als ob die Katholiken durchaus keinen Antheil daran hät-ten! Ich dächte, wie nur das gegen das Christenthum geltenkann, worauf weder Katholik noch Protestant zu antwortenweiß: so müsse auch nur das zum Cbristcntbum gehören, wasdem Katholiken und Protestanten gemein ist. Wenigstens klei-det es einen Theologen, von welchem Theile er auch sey, sehrschlecht, einen Satz, von dem er weiß, daß ihn der andereTheil behauptet, in dem Munde eines Dritten, da wo dieser