Slitti-Gocze. Zweyter. 175
digkcit lind Wahrheit. Aber wie lange und genau muß mandenn auch eine Metapher oft betrachten, ehe man den Stromin ibr entdecket, der uns am besten weiter bringen kann! Undso wäre es ganz natürlich, daß das Theater eben nicht den be-sten prosaischen Schriftsteller bilde. Ich denke sogar, selbst Cicero ,wenn er ein bcßrcr Dialogist gewesen wäre, würde in seinenübrigen in eins fortlausendcn Schriften so wunderbar nicht seyn.In diesen bleibt die Richtung der Gedanken immer die nehm-liche, die sich in dem Dialog alle Augenblicke verändert. Jenecrfodern einen gesetzten, immer gleichen Schritt; dieser verlangtmit unter Sprünge: und selten ist ein hoher Springer, ein gu-ter ebner Tänzer.
Aber, Herr Hauptpastor, das ist mein Stil, und mein Stilist nicht meine Logik. — Doch ja! Allerdings soll auch meineLogik scvn, was mein Stil ist: eine Thcatcrlogik. So sagenSie. Aber sagen Sie was Sie wollen: die gute Logik ist im-mer die nehmliche, man mag sie anwenden, worauf man will.Sogar die Art, sie anzuwenden, ist überall die nehmliche. WerLogik in einer Komödie zeigt, dem würde sie gewiß auch zueiner Predigt nicht entstehen: so wie der, dem sie in einer Pre-digt mangelt, nimmermehr mit ihrer Hülfe auch eine nur er-trägliche Komödie zu Stande bringen würde, und wenn er deruncrschöplichstc Spaßvogel unter der Sonne wäre. GlaubenSie, daß Pater Abraham gute Komödien gemacht hätte? Ge-wiß nicht: denn seine Predigten sind allzu elend. Aber werzweifelt wohl, daß Möllere und Shakespcar vortreffliche Pre-digten gemacht und gehalten hätten, wenn sie, anstatt des Thea-ters, die Kanzel hätten besteigen wollen?
Als Sie, Herr Hanptpastor, den guten Schlosser wegenseiner Komödien so erbaulich verfolgten, fiel eine doppelte Fragevor. Die eine: darf ein Prediger Komödien machen? Hieraufantwortete ich: warum nicht? wenn er kann. Die zweyte:darf ein Komödicnschrcibcr Predigten machen? Und darauf warmeine Antwort: warum nicht? rvenn er roill. —
Doch wozu alles dieses Gcschwäz? Was gehen mich itzt dieArmseligkeiten des Stils und Theaters an; itzt da ein so schreck-liches Halsgcricht über mich verhangen wird? — Da steht er,