Druckschrift 
10 (1839)
Entstehung
Seite
174
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Anli-Eoeze. Zweyter.

daß unter verblümten, bilderreichen Worten nothwendig einschwanker, schiefer Sinn liegen muß? daß niemand richtig nndbestimmt denken kann, als wer sich des eigentlichsten, gemein-sten, plattesten Ausdruckes bedienet? daß, den kalten, symboli-schen Zdecn auf irgend eine Art etwas von der Warme unddem Leben natürlicher Zeichen zu geben suchen, der Wahrheitschlechterdings schade?

Wie lächerlich, die Tiefe einer Wunde nickt dem scharfen,sondern dem blanb'cn Schwcrdtc zuschreibe»! Wie lächerlich alsoauch, die Ucbcrlcgcnhcit welche die Wahrheit einem Gegnerüber uns giebt, einem blendenden Stile desselben zuschreiben!Ich kenne keinen blendenden Stil, der seinen Glanz nicht vonder Wahrheit mehr oder weniger entlehnet. Wahrheit alleingiebt echten Glanz; uud muß auch bey Spöttercy und Posse,wenigstens als Folie, unterliegen.

Also von der, von der Wahrheit lassen Sie uns sprcckcn,und nicht vom Stil. Ich gebe den meinen aller WeltPreist ; und freylich mag ihn das Theater ein wenig verdorbenhaben. Ich kenne den Hauptfehler sehr wohl, der ihn von somanchen andern Stilen auszeichnen soll: und alles, was zumerklich auszeichnet, ist Fehler. Aber es fehlt nicht viel, daßich nicht, wie Lvid, die Kunstrichter, die ihn von allen seinenFehlern säubern wollten, gerade für diesen einzigen um Scho-nung aufleben möchte. Denn er ist nicht sein Fehler: er istseine Erbsünde. Nehmlich: er verweilt sich bey seinen Me-taphern, spinnt sie häufig zu Gleichnissen, und malt gar zugern mit unter eine in Allegorie aus; wodurch er sich nichtselten in allzucntscrntc und leicht umzuformende tortia comnsra-twnls verwickelt. Diesen Fehler mögen auch gar wohl meinedramatische Arbeiten mit verstärkt haben: denn die Sorge fürden Dialog gewöhnt uns, auf jeden verblümten Ausdruck einscharfes Auge zu haben; weil es wohl gewiß ist, daß in denwirklichen Gesprächen des Umganges, deren Lauf selten die Ver-nunft, und fast immer die Einbildung steuert, die mchrcstcnUcbcrgänge aus den Metaphern hergenommen werden, welcheder eine oder der andere braucht. Diese Erscheinung allein, inder Nachahmung gehörig beobachtet, giebt dem Dialog Gcschmci-