Anti-Goeze, Zweyter,
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Sie allwissend? Also sind Sie untricglich? — Also kannschlechterdings in meiner Wiederlcgiing nichts stehen, was michin einem unschuldigern Lichte zeigte? was Sie einen Theil Ih-rer Klage zurück zu nehmen, bewegen könnte? Also, wie Sieeine Sache einmal ansehen, so, vollkommen so, sind Sie gewiß,daß Sie dieselbe von nun an bis in Ewigkeit ansehen werden?
In diesem einzigen Zuge, Herr Hauptpastor, stehen Siemir ganz da, wie Sie leiben und leben. Sie haben vor demFeste nicht Zeit, die Vertheidigung des Beklagten zu hören.Sie wiederholten die Anklage, und schlagen seinen Namengetrost an Galgen. Nach dem Feste, nach dem Feste, werdenSie schon sehen, ob auf seine Vertheidigung der Name wiederabzunehmen ist, oder nicht!
Gegen einen solchen Mann wäre es möglich, die geringsteAchtung beyzubehalten? — Einem dritten: vielleicht. Aber nichtdem, nach dessen Kopfe diese Steine zielen. Gegen einen sol-chen Mann sollte es nicht hinwiederum erlaubt seyn, sich allerArten von Waffen zu bedienen? Welche Waffen können mcu-chclmördrischcr seyn, als sein Verfahren ist?
Gleichwohl, Herr Hauptpastor, befürchten Sie von mir nurnicht, daß ich die Gränzen der Wicdcrvcrgcltung überschreite»werde. Ich werde diese Gränzen noch lange nicht berühren,wenn ich von Ihnen auch noch so höhnend, auch noch so ver-achtend, auch noch so wegwerfend schreibe. Sie können einenungesitteten Gegner vielleicht an mir finden: aber sicherlich kei-nen unmoralischen.
Dieser Unterschied, zwischen ungesittet und unmoralisch,der sehr wichtig ist, obgleich beide Wörter, ihrer Abkunft nach,vollkommen das nehmliche bedeuten müßten, soll ewig unteruns bleiben. Nur Ihre unmoralische Art zu disputircn, willich in ihr möglichstes Licht zu setzen suchen, sollte es auch nichtanders, als auf die ungesitteteste Weise geschehen können.
Jtzt ist mein Bogen voll; und mehr als eine» Bogen sol-len Sie auf einmal von mir nicht erhalte». Es ist erlaubt,Ihnen dc» Eimer faulen Wassers, in welchem Sie mich ersäufenwollen, tropfenweise auf den entblößte» Scheitel fallen zu lassen.
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