Sliiti.Eocje. Fünfter.
dcm naisen Ribov selbst ausfällt, darum aber nicht weniger diewahre Meynung des Hicronymus bleibt.
Man sage nickt, daß diese uns itzt so befremdende Vorstel-lung von der Aufrichtigkeit der ersten Kirchenväter und Apostel,blosse Vortheile der Auslegungskunst, blossen Wörterkram be-treffe. Worte und Handlungen liegen nicht so weit auseinan-der, als man insgemein glaubt. Wer sähig ist, eine Schrift-stellc wieder besser Wissen und Gewissen zu verdrehen, ist zuallem andern fähig; kann falsch Zeugniß ablegen, kann Schrif-ten unterschieben, kann Thatsachen erdichten, kann zu Bestäti-gung derselben jedes Mittel für erlaubt halten.
Gott bewahre mich, daß ich zu verstehen geben sollte, daß dieApostel zu diesem allen fähig gewesen, weil sie die Kirchenväterzu einem für fähig gehalten! Ich will nur die Frage veran-lassen: ob in eben dcm Geiste, in welchem wir itzt in Anse-hung dieses einen über sie urlheilen, ein billiger Mann allen-falls nicht auch in Ansehung des übrigen urtheilen müßte,wenn es ibncn wirklich zur Last fiele?
Und so ein billiger Mann war mein Ungenannter allerdings.Er hat keine Schuld, die in leichtem Gelde gemacht war, inschwerem wiedergefordert. Er hat kein Verbrechen, welchesunter nachscbcndcr» Gesetzen begangen war, nach spätern ge-schärftere» Gesetzen gerichtet. Er hat keine Vencnnung, die demAbstracto der That zu ihrer Zeit nicht zukam, dcm Eoncrcto deSThäters zu unsrer Zeit beygelegt. Er hat immer in seinemHerzen dafür halten können, daß wir betrogen sind: aber erhat sich wohl gehütet zu sagen, daß wir von Betrügern be-trogen sind.
Vielmehr spielt jcdcr, welcher meinen Ungenannten dicsesletztere sagen läßt, weil er ihn überführen kann, daß er daserstere geglaubt habe, selbst cincn Betrug, nm einen Pöbel inHarnisch zu bringen, der keinen Unterschied zu machen fähig ist.Ob aber diese Absicht auch zu den Absichten gehört, die einenBetrug entschuldigen, das lassc ich dahin gestellt seyn. Zch sehewenigstens den Nutzen, der daraus entspringen soll, noch nichtein; und ich muß erst erfahren, ob selbst der Pöbel itziger Zeit
13 °