Slnli-Eoeze. Sechster.
damit belehren oder vergnügen wollen. Es jammert mich,wenn ich sehe, daß Tod oder andere dem thätigen Manne nichtmehr und nicht weniger willkommene Ursachen, so viel guteAbsichten vereiteln können; und ich fühle mich so fort in derBcfassung, in welcher sich jeder Mensch, der dieses Namens»och würdig ist, bey Erblickung eines ausgesetzten Kindes be-findet. Er begnügt sich nicht, ihm nur nicht vollends denGaraus zu machen; es unbeschädigt und ungestört da liegenzu lassen, wo er es findet: er schaft oder trägt es in das Fin-dclbaus, damit es wenigstens Taufe und Namen crbalte. Ei-nes denn freylich wobl lieber als das andere: nach dem ihm daseine mehr angelächelt, als das andere; nach dem ihm das eineden Finger mehr gedrückter, als das andere.
Gerade so wünschte ich wenigstens — Denn was wärees nun, wenn auch darum noch so viel Lumpen mehr, derge-stalt verarbeitet werden müßten, daß sie Spuren eines unstcrb-licbcn Geistes zu tragen fähig würden? — wünschte ich we-nigstens, alle und jede ausgesetzte Gcburtbcn des Geistes, miteins in das große für sie bestimmte Findclhaus der Druckereybringen zu können: und wenn ich deren selbst mir wenige wirk-lich dahin bringe, so liegt die Schuld gewiß nicht an mir al-lein. Zch thue was ich kann; und jeder thue nur eben soviel. Selbst die Ursache liegt oft in mir nicht allein, warumich cbcr diese als jene binbringe, warum ich mir von dem ge-sundern und frcundlicbern Findlinge den Finger umsonst mußdrückrn lassen: sondern es wirken auch hier meistens so vielkleine »nmcrkliche Ursachen zusammen, daß man mit Recht sa-gen kaiin, Iiadont su-t s-tta liliclli.
Aber nie habe ich diese meine Schwachheit, — wodurch ich,ich weiß nicht ob ich sagen soll, zum Bibliothekar gebohrcn,oder zum Bibliothekar von der Natur verwahrloset bin, — niehabe ich diese meine Schwachheit denken können, ohne meineindividuelle Lage glücklich zu preisen. Zch bin sehr glücklich,daß ich hier Bibliothekar bin, und an keinem andern Orte.Ich bin sehr glücklich, daß ich dieses Herrn Bibliothekar bin,und keines andern. —