Druckschrift 
10 (1839)
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Auti-Eoeze. Siebenter.

Bey Gott! die Versicherung dieses Verlangens, weil ich bisißt noch wenig Parade damit machen wollen, ist darnm keineleere Ausflucht. Aber frcvlich eigennützig ist dieses Verlangen;höchst eigennützig. Ich möchte nehmlich gar zu gern, selbst nochetwas von der Widerlegung mit aus der Welt nehmen. Ichbedarf ihrer. Denn daß ich als Bibliothekar die Fragmentemeines Ungenannten las, war nicht mehr als billig; und daßsie mich an mchrcrn Stellen verlegen und unruhig machten,war ganz natürlich. Sie enthalten so mancherley Dinge, welchemein Bißchen Scharfsinn und Gelehrsamkeit gehörig auseinan-der zu setzen, nicht zureicht. Ich sehe hier und da, auf tau-send Meilen, keine Antwort; und der Pcrr Hauptpastor wirdsich freylich nicht vorstellen können, wie sehr eine solche Verle-genheit um Antwort ein Wahrheit liebendes Gemüth beunruhiget.

Bin ich mir denn nun nichts? Habe ich keine Pflicht ge-gen mich selbst, meine Beruhigung zu suchen, wo ich sie zufinden glaube? Und wo konnte ich sie besser zu finden glaube»,als bey dem Publico? Ich weiß gar wohl, daß ein Indivi-duum seine einzelne zeitliche Wohlfahrt der Wohlfabrt mehrereraufzuopfern schuldig ist. Aber auch seine ewige? Was vorGott und den Menschen kann mich verbinden, lieber von quä-lenden Zweifeln mich nicht bcfreven zu wollen, als durch ihreBekanntmachung Schwachgläubige zu ärgern? Darauf ant-worte mir der Herr Hauptpastor.

Allerdings habe ich keine besondere Erlaubniß gehabt, vonden mir anvertrauten litterarischen Schätzen auch dergleichenfeurige Roblen der Welt mitzutbcilcn. Ich habe diese beson-dere Erlaubniß in der allgemeinen mit eingeschlossen zu seyngeglaubt, die mir mein gnädigster Herr zu ertheilen gcrnhet.Habe ich durch diesen Glauben mich seines Zutrauens unwürdigbezeigt: so beklage ich mein Unglück, und bin strafbar. Gern,gern will ich auch der billigen Gerechtigkeit darüber in die Händefallen: wenn Gott mich nur vor den Händen des zornigen Prie-sters bewahret!

Und was wird dieser zornige Priester nun vollends sage»,wenn ich bey Gelegenheit hier bekenne, daß der Ungenannteselbst, an das Licht zu treten, sich nicht übereilen wollen. Daß