Anti-Goeze. Siebenter.
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ich ihn schon itzt an das Licht gezogen, ist nicht allein ohneseinen Willen, sondern wohl gar wider seinen Willen geschehen.Dieses läßt mich der Anfang eines Vorberichts besorgen, dermir unter seinen Papieren allerdings schon zu Gesichte gekom-men war, noch ehe ich mich zu dem Dienste seines Einführersin die Welt entschloß. Er lautet also: „Die Schrift, wozu„ich hier den Vorbericht mache, ist schon vor vielen Jahren von„mir aufgesetzt worden. Jedoch habe ich sie bey Gelegenheit„eines öfrcrn Durchlescns an manchen Stellen vermehrt, an„andern eingekürzt, oder geändert. Blos meine eigene Gc-„müthsbcruhignng war vom ersten Anfange der Bewegungs-„ gründ, warum ich meine Gedanken niederschrieb; und ich bin„nachher nimmer auf den Vorsatz gerathen, die Welt durch„meine Einsichten irre zu machen, oder zu Unruhen Anlaß zu„geben. Die Schrift mag im Verborgenen, zum Gebrauch ver-ständiger Freunde, liegen bleiben; mit meinem Willen soll sie„nicht durch den Druck gemein gemacht werden, bevor sich die„Zeiten mehr aufklären. Lieber mag der gemeine Hausse noch„eine Weile irren, als daß ich ihn, obwohl ohne meine Schuld,„mit Wahrheiten ärgern und in einen wüthenden Religionseifer„setzen sollte. Lieber mag der Weise sich des Friedens halber,„unter den herrschenden Meynungen und Gebräuchen schmiegen,„dulden und schweigen; als daß er sich und andere durch gar„zu frühzeitige Aeusserung unglücklich machen sollte. Denn ich„muß es zum Voraus sagen, die hierinn enthaltenen Satze sind„nicht catechismusmäßig, sondern bleiben in den Schranken ei-„ncr vernünftigen Verehrung Gottes, nnd Ausübung der Men-schenliebe und Tugend. Da ich aber mir selbst, und meinen„entstandenen Zweifeln zureichend Genüge thun wollte: so habe„ich nicht umhin können, den Glauben, welcher mir so manche„Anstöße gemacht hatte, von Grund aus zu untersuchen, ob„er mit den Regeln der Wahrheit bestehen könne, oder nicht."
Luther und alle Heiligen! Herr Hauptpastor, was habenSie da gelesen! Nicht wahr? so gar strafbar hätten Sie michnimmermehr geglaubt? — Der Ungenannte war bey aller seinerFrcygcistcrcy, doch noch so ehrlich, daß er die Welt durch seineEinsichten nicht irre machen wollte: und ich, ich trage kein Be-