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10 (1839)
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Anti-Goeze. Siebenter.

dcnkm, sie durch fremde Einsichten irre zu machen. Der Un-genannte war ein so friedlicher Mann, daß er zn keinen Un-ruhen Anlaß geben wollte: und ich, ich setze mich über alleUnruhen hinweg, von welchen Sie, Herr Hauptpastor, am be-sten wissen, wie sauer es itzt einem trcuflcißigen Scclcnsorgcrwird, sie auch nur in einer cinzigcn Stadt zur Ehre unsrerallcrhciligstcn Religion zu erregen. Der Ungenannte war einso behutsamer Mann, daß er keinen Menschen mit Wahrheitenärgern wollte: und ich, ich glaube ganz und gar an kein sol-ches Aergerniß; fest überzeugt, daß nicht Wahrheiten, die manblos zur Untersuchung vorlegt, sondern allein Wahrbciten, dieman so fort in Ausübung bringen will, den gemeinen Haufenin wüthenden Rcligionscifcr zu versetzen fähig sind. Der Un-genannte war ein so kluger Mann, daß er durch allzufrühzeitigcAeusserungen, weder sich noch andere unglücklich machen wollte:und ich, ich schlage als ein Rasender meine eigene Sicherheitzuerst in die Schanze, weil ich der Meynung bin, daß Aeusse-rungen, wenn sie nur Grund haben, dem menschlichen Ge-schlechte nicht früh genung kommen können. Mein Ungenannter,der ich weiß nicht wenn schrieb, glaubte, daß sich die Zeitenerst mehr aufklären müßten, ehe sich, was er für Wahrheithielt, öffentlich predigen lasse: und ich, ich glaube, daß dieZeiten nicht aufgeklärter werden können, um vorläufig zu un-tersuchen, ob das, was cr für Wahrheit gehalten, es auchwirklich ist.

Das ist alles wahr, Herr Hauptpastor; das ist alles wahr.Wenn nur bey der löblichen Bescheidenheit und Vorsicht desUngenannten, nicht so viel Zuversicht auf seinen Erweis, nichtso viel Verachtung des gemeinen Mannes, nicht so viel Miß-trauen auf sein Zeitalter zum Grunde läge! Wenn cr nur, zuFolge dieser Gesinnungen, seine Handschrift lieber vernichtet, alszum Gebrauche verständiger Freunde hätte liegen bleiben lassen! Oder meynen Sie auch, Herr Hauptpastor, daß es gleichviel ist, was die Verständigen im Verborgenen glauben; wennnur der Pöbel, der liebe Pöbel fein in dem Glcisse bleibt, inwelchem allein, ihn die Geistlichen zu leiten verstehen? Mey-nen Sie?