Druckschrift 
10 (1839)
Entstehung
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246
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246 Ver nöthigen Antwort ans cine sehr unnöthigc Frage

Ich will mich auf jcnc Kathcdcrctiquette, welche eben sowohl für mich, als für ihn zu erklären ist, nicht einlassen.Wer beweisen kann, läßt sich nicht lange nöthigen, zu bewei-sen. Zch will nur sogleich den Nagel aus den Kopf zu treffensuchen, und rund heraus erklären:^i) Daß es nicht wahr ist, daß alle Lehrer der christlichenKirche, ohne Unterschied der verschiedenen Partheyen, dieBibel für den einigen Lehrgrund der christlichen Reli-gion halten;

2) Daß die Sociniancr eben dadurch ihre Sache so gut wiegewonnen haben, wenn man die Bibel zum einigen Lehr-grunde der christlichen Religion macht.4. Es ist notorisch, daß die Lcbrer der christlich katholischenKirche die Bibel so wenig für den einigen Lchrgrund derchristlichen Religion annehmen, daß sie ihn nicht einmal fürden vornehmsten gelten lassen; indem bey ihnen das Ansehender Bibel dem Ansehen der Kirche schlechterdings untergeordnetist; indem bey ihnen es nicht darauf ankömmt, was die Bibelsagt, sondern darauf, was die Kirche sagt, daß es die Bibelsage, oder sagen hätte könne». Haben einige Katholiken, welchegern Prosclytcn unter den Protestanten machen wollen, sichnachgebender hierüber erklärt: so geht mich dieses nichts an;und der eigentliche Lchrbcgriff der Römischen Kirche ist nachdiesen wenigen Achsclträgcrn nicht zu bestimmen. Alle und jederechtgläubige Katholiken glauben die Bibel und der Bibel,weil sie Christen sind: sind aber nicht Christen, weil sie dieoder der Bibel glauben. Und nun möchte ich gern wissen,mit welchem Fuge ein Lutherischer Pastor, und ein verdorbenerAdvocat, einem Manne mit dem Rcichsfiscalc drohen können,weil er aufrichtig genug ist, als Lutheraner lieber seine Zufluchtzu einem Lehrsätze der Römischen Kirche zu nehmen, als dieganze christliche Religion unter Einwürfen der Freygeister erlie-gen zu lassen, die blos die Bibel und nicht die Religion tref-fen; die blos das Buch treffen, in welchem, nach dem höchstneuen und bis auf diesen Tag uncrwicscncn Lehrsätze der stren-gern Lutheraner, die Religion einzig und allein enthalten seynsoll. Diese Herren mögen sich nur selbst vor dem Reichssis-