Zweytes Gespräch.
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gerliche Gesellschaft für Zweck der Natur gehalten. Weil alles,unsere Leidenschaften und unsere Bedürfnisse, alles daraufführe,sey sie folglich das Letzte, worauf die Natur gehe. So schlössensie. Als ob die Natur nicht auch die Mittel zweckmässig her-vorbringen müssen! Als ob die Natur mehr die Glückseligkeiteines abgezogenen Begriffs — wie Staat, Vaterland und der-gleichen sind — als die Glückseligkeit jedes wirklichen einzelnWesens zur Absicht gehabt hätte!
Falk.
Sehr gut! Du kömmst mir auf dem rechten Wege entgegen.Denn nun sage mir; wenn die Staatsvcrfassungcn Mittel, Mit-tel menschlicher Erfindungen sind: sollten sie allein von demSchicksale menschlicher Mittel ausgenommen seyn?
Ernst.
Was nennst du Schicksale menschlicher Mittel?Falk.
Das, was unzertrennlich mit menschlichen Mitteln verbun-den ist; was sie von göttlichen unfehlbaren Mitteln unterscheidet.
Er» st.
Was ist das?
Falk.
Daß sie nicht unfehlbar sind. Daß sie ihrer Absicht nichtallein öfters nicht entsprechen, sondern auch wohl gerade daSGegentheil davon bewirken.
Ernst.
Ein Beyspiel! wenn dir eines einfällt.
Falk.
So sind Schiffahrt und Schiffe Mittel in entlegene Länderzu kommen; und werden Ursache, daß viele Menschen nimmcr-mchr dahin gelangen.
Ernst.
Die nehmlich Schiffbruch leiden, und crsausfcn. Nun glaubeich dich zu verstehen. — Aber man weiß ja wohl, woher eskömmt, wenn so viel einzelne Menschen durch die Staatsvcr-sassung an ihrer Glückseligkeit nichts gewinnen. Der Staats-vcrfassungcn sind viclc; eine ist also besser als die andere; manche