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örnst und Falk.
gleich mimittclbaren Antheil. ES wird also vornehmere undgeringere Glieder geben. — Wenn Anfangs auch alle Besitzun-gen des Staats unter sie gleich vertheilet worden: so kann diesegleiche Ncrthcilung doch keine zwey Mcnschcnaltcr bestehen. Einerwird sein Eigenthum besser zu nutzen wissen, als der andere.Einer wird sein schlechter genutztes Eigenthum gleichwol untermehrere Nachkommen zu vertheilen haben, als der andere. Eswird also reichere und ärmere Glieder geben.
Ernst.
Das versteht sich.
Falk.
Nun überlege, wie viel Uebel es in der Welt wohl giebt,das in dieser Verschiedenheit der Stande seinen Grund nicht hat.
Ernst.
Wenn ich dir doch widersprechen könnte! — Aber was hatteich für Ursache, dir überhaupt zu widersprechen? — Nun ja!die Menschen sind nur dlirch Trennung zu vereinigen! nur durchunaufhörliche Trennung in Bereinigung zu erhalten! Das istnun einmal so. Das kann nun nicht anders seyn.
Falk.
Das sage ich eben!
Ernst.
Also, was willst du damit? Mir das bürgerliche Leben da-durch verleiden? Mich wünschen machen, daß den Menschender Gedanke, sich in Staaten zu vereinigen, nie möge ge-kommen seyn?
Falk.
Verkennst du mich so weit? — Wenn die bürgerliche Ge-sellschaft auch nur das Gute hätte, daß allein in ihr die mensch-liche Bcrnunft angebauet werden kann: ich würde sie auch beyweit grösser« Uebeln noch segnen.
Ern st.
Wer des Feuers gcnicsscn will, sagt das Sprichwort, mußsich den Rauch gefallen lassen.
Falk.
Allerdings! — Aber weil der Rauch bey dem Feuer unver-meidlich ist: dürfte man darum keinen Ranchfang erfinden?