Druckschrift 
10 (1839)
Entstehung
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Zweytes Gespn'ch-

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wohl alle einerley Religion haben konnten. Za ich begreifstnicht, wie einerley Staatsverfassung ohne einerley Religion auchnur möglich ist.

Falk.

Zch eben so wenig. Auch nahm ich jenes nur an, umdeine Ausflucht abzuschneiden. Eines ist zuverlässig eben so un-möglich, als das andere. Ein Staat: mehrere Staaten. Meh-rcrc Staaten: mehrere Staatsvcrfassungen. Mehrcrc Staats-vcrfassungen: mehrere Religionen.

Ernst.

Za, ja: so sckcinet es.

Falk.

So ist cs. Nun sieh da das zweyte Unheil, welches diebürgerliche Gesellschaft, ganz ihrer Absicht entgegen, verursacht.Sie kann die Menschen nicht vereinigen, ohne sie zu trennen;nicht trennen, ohne Klüfte zwischen ihnen zu befestigen, ohneSchcidcmaucrn durch sie hin zu ziehen.

Ernst.

Und wie schrecklich diese Klüfte sind! wie unübcrsteiglich oftdiese Schcidcmaucrn!

Falk.

Laß mich noch das dritte hinzufügen. Nicht genug, daßdie bürgerliche Gesellschaft die Menschen in verschiedene Völkerlind Religionen theilet und trennet. Diese Trennung in we-nige grosse Theile, deren jeder für sich ein Ganzes wäre, wäredoch immer noch besser, als gar kein Ganzes. Nein; diebürgerliche Gesellschaft setzt ihre Trennung auch in jedem dieserTheile gleichsam bis ins Unendliche fort.

Ernst.

Wie so?

Falk.

Oder mcyncst du, daß ein Staat sich ohne Verschiedenheitvon Ständen denken läßt? Er sey gut oder schlecht, der Voll-kommenheit mehr oder weniger nahe: unmöglich können alleGlieder desselben unter sich das nehmliche Verhältniß haben.Wenn sie auch alle an der Gesetzgebung Antheil haben: sokönnen sie doch nicht gleichen Antheil haben, wenigstens nicht