Druckschrift 
10 (1839)
Entstehung
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268
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ernst und Falk.

Ernst.

Das ist leider wahr.

Falk.

Nun so ist es denn auch wahr, daß das Mittel, welchesdie Menschen vereiniget, um sie durch diese Vereinigung ihresGlückes zu versichern, die Menschen zugleich trennet.

Ernst.Wenn du es so verstehest.

Falk.

Tritt einen Schritt weiter. Viele von den kleinern Staatenwürden ein ganz verschiedenes Klima, folglich ganz verschiedeneBedürfnisse und Befriedigungen, folglich ganz verschiedene Ge-wohnheiten und Sitten, folglich ganz verschiedene Sittcnlchrcn,folglich ganz verschiedene Religionen haben. Meynst du nicht.

Ernst.

Das ist ein gewaltiger Sckritt!

Falk.

Die Menschen würden auch dann noch Juden und Christenund Türken und dergleichen seyn.

Ernst.

Ich getraue mir nickt, Nein zu sagen.

Falk.

Würden sie das; so würden sie auch, sie mochten hcisscn,wie sie wollten, sich unter einander nicht anders verhallen, alssich unsere Christen und Juden und Türken von je her untereinander verhalten haben. Nicht als blosse Menschen gegenblosse Menschen, sondern als solche Menschen gegen solche Men-schen, die sich einen gewissen geistigen Vorzug streitig machen,und daraus Rechte gründen, die dem natürlichen Menschen nim-mermehr einfallen konnten.

Ernst.

Das ist sehr traurig; aber leider doch scbr vermuthlich.Falk.

Nur vermuthlich?

Ernst.

Denn allenfalls dächte ich doch, so wie du angenommenhast, daß alle Staaten einerley Verfassung hätten, daß sie auch