Drittes Gespräch.
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Ernst.
Woher kamist du mir aber beweisen, wenigstens nur wahr-scheinlich machen, 5aß die Frcymäurcr wirklich jene grosse undwürdige Absichten haben?
Falk.
Habe ich dir von ihren Absichten gesprochen? Ich wüßtenicht. — Sondern da du dir gar keinen Begriff von den wah-ren Thaten der Freymäurer machen konntest: habe ich dich blosauf einen Punkt aufmerksam machen wollen, wo noch so vielesgeschehen kann, wovon sich unsere staatsklugen Köpfe gar nichtsträumen lassen. — Vielleicht, daß die Freymäurer da herumarbeiten. — Vielleicht! da herum! — Nur um dir dein Vor-urthcil zu benehmen, daß alle baubedürftige Plätze schon ausge-funden und besetzt, alle nöthige Arbeiten schon unter die erfor-derlichen Hände vertheilet wären.
Ernst.
Wende dich itzt, wie du willst. — Genug, ich denke mirnun aus deinen Reden die Freymäurer als Leute, die es frey-willig über sich genommen haben, den unvermeidlichen Uebelndes Staats entgegen zu arbeiten.
Falk.
Dieser Begriff kann den Frcymäurcrn wenigstens keineSchande machen. — Bleib dabey! — Nur fasse ihn recht.Menge nichts hinein, was nicht hinein gehöret. — Den unver-meidlichen Uebeln des Staats! — Nicht dieses und jenesStaats. Nicht den unvermeidlichen Uebeln, welche, eine ge-wisse Sraatsvcrfassung einmal angenommen, aus dieser ange-nommenen Staatsvcrfassung nun nothwendig folgen. Mit die-sen giebt sich der Frcymäurcr niemals ab; wenigstens nicht alsFrcymäurcr. Die Linderung und Heilung dieser überläßt erdem Bürger, der sich nach seiner Einsicht, nach seinem Muthe,auf seine Gefahr damit besassen mag. Uebel ganz andrer Art,ganz höherer Art, sind der Gegenstand seiner Wirksamkeit.
Ernst.
Zch habe das sehr wohl begriffen. — Nicht Uebel, welcheden mißvergnügten Bürger machen, sondern Ucbcl, ohnc welcheauch der glücklichste Bürger nicht seyn kann.
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