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10 (1839)
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Die Erziehung des Menschengeschlechts.

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und allein entwickeln können, und noch ferner entwickeln soll;als über eine derselben entweder lächeln, oder zürnen? Diesenunsern Hohn, diesen unsern Unwillen, verdiente in der bestenWelt nichts: und nur die Religionen sollten ihn verdienen?Gott hätte seine Hand bey allem im Spiele: nur bey unsernIrrthümern nicht?

Die Erziehung des Menschengeschlechts.§. 1.

N>as die Erziehung bey dem einzeln Menschen ist, ist dieOffenbarung bey dem ganzen Menschengeschlechte.

H. 2.

Erziehung ist Offenbarung, die dem einzeln Menschen ge-schieht: und Offenbarung ist Erziehung, die dem Menschenge-schlechte geschehen ist, und noch geschieht.

H. 3.

Ob die Erziehung aus diesem Gesichtspunkte zu betrachten,in der Pädagogik Nutzen haben kann, will ich hier nicht unter-suchen. Aber in der Theologie kann es gewiß sehr großen Nu-tzen haben, und viele Schwierigkeiten heben, wenn man sich dieOffenbarung als eine Erziehung des Menschengeschlechts vorstellet.

§. 4-

Erziehung giebt dem Menschen nichts, was er nicht auchaus sich selbst haben könnte: sie giebt ihm das, was er aussich selber haben könnte, nur geschwinder und leichter. Alsogiebt auch die Offenbarung dem Menschengeschlechte nichts, woraufdie menschliche Vernunft, sich selbst überlassen, nicht auch kom-me» würde: sondern sie gab und giebt ihm die wichtigsten dieserDinge nur früher.

H. 6.

Und so wie es der Erziehung nicht gleichgültig ist, in wel-cher Ordnung sie die Kräfte des Menschen entwickelt; wie siedem Menschen nicht alles auf einmal beybringen kann: eben sohat auch Gott bey seiner Offenbarung eine gewisse Ordnung,ein gewisses Maaß halten müssen.