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10 (1839)
Entstehung
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Die Erziehung des McnscheiigcschlcchlS,

H. 6-

Wenn auch der erste Mensch mit einem Begriffe von einemEinigen Gotte sofort ausgestattet wurde: so konnte doch diesermitgetheilte, und nicht erworbene Begriff, unmöglich lange inseiner Lauterkeit bestehen. Sobald ihn die sich selbst überlassenemenschliche Vernunft zu bearbeiten anfing, zerlegte sie den Ein-zigen Unermeßlichen in mehrere Ermcßlichcre, und gab jedemdieser Theile ein Merkzeichen.

H. 7.

So entstand natürlicher Weise Vielgötterei) und Abgötter-»).Und wer weiß, wie viele Millionen Zahrc sich die menschlicheVernunft noch in diesen Irrwegen würde herumgetrieben haben;ohngeachtet überall und zu allen Zeiten einzelne Menschen er-kannten, daß es Zrrwegc waren: wenn es Gott nicht gefallenhätte, ihr durch einen neuen Stoß eine bessere Richtungzu geben.

H. 8.

Da er aber einem jeden einzeln Menschen sich nicht mehroffenbaren konnte, noch wollte: so wählte er sich ein einzelnesVoll: zu seiner besondern Erziehung; und eben das ungeschlif-fenste, das verwildertste, um mit ihm ganz von vorne anfangenzu können.

§. 9.

Dieß war das Israelitische Volk, von welchem man garnicht einmal weiß, was es für einen Gottesdienst iu Acgyptcnhatte. Denn an dem Gottesdienste der Aegypticr durften so ver-achtete Sklaven nicht Theil nehmen: und der Gott seiner Väterwar ihm gänzlich unbekannt geworden.

H. 10-

Vielleicht, daß ihm die Aegypticr allen Gott, alle Götterausdrücklich untersagt hatten; es in den Glauben gestürzt hat-ten, es habe gar keinen Gott, gar keine Götter; Gott, Götterhaben, sey nur ein Vorrecht der bessern Aegypticr: und das, umes mit so viel größerm Anscheine von Billigkeit tyrannisircn zudürfen. Machen Christen es mit ihren Sklaven noch itztviel anders?