Tie Erziehung des Menschengeschlechts.
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aber es höhlt es doch ei», tyid ist alsdann nie wieder von ihmeinzuholen.
H. 22.
Ans gleiche Weise. Daß, — die Lehre von der Einheit Gottesbey Seite gesetzt, welche in den Büchern des Alten Testamentssich findet, und sich nicht findet — daß, sage ich, wenigstensdie Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, und die damit ver-bundene Lehre von Strafe und Belohnung in einem künftigenLeben, darinn völlig fremd sind: beweiset eben so wenig widerden göttlichen Ursprung dieser Bücher. Es kann dem ohnge-achtct mit allen darinn enthaltenen Wundern und Prophczcyun-gcn seine gute Richtigkeit haben. Denn laßt uns setzen, jeneLehren würden nicht allein darinn vermißt, jene Lehren wä-ren auch sogar nicht einmal wahr; laßt uns setzen, es wärewirklich für die Menschen in diesem Leben alles aus: wäredarum das Daseyn Gottes minder erwiesen ? stünde es darumGottc minder frey, würde es darum Gotte minder ziemen, sichder zeitlichen Schicksale irgend eines Volks aus diesem vergäng-lichen Geschlechte unmittelbar anzunehmen? Die Wunder, dieer für die Juden that, die Prophezcyungen, die er durch sieaufzeichnen ließ, waren ja nicht blos für die wenigen sterblichenZuden, zu deren Zeiten sie geschahen und aufgezeichnet wurden:er hatte seine Absichten damit auf das ganze Jüdische Volk,auf das ganze Mcnschcngcscklccht, die hier auf Erden vielleichtewig dauern sollen, wenn schon jeder einzelne Jude, jeder ein-zelne Mensch auf immer dahin stirbt.
H. 23.
Noch einmal. Der Mangel jener Lehren in den Schriftendes Alten Testaments beweiset wider ihre Göttlichkeit nichts.Moses war doch von Gott gesandt, obschon die Sanktion sei-nes Gesetzes sich nur auf dieses Leben erstreckte. Denn warumweiter? Er war ja nur an das Israelitische Volk, an dasdamalige Israelitische Volk gesandt: und sein Auftrag war denKenntnissen, den Fähigkeiten, den Neigungen dieses damaligenIsraelitischen Volks, so wie der Bestimmung des künftigen,vollkommen angemessen. Das ist genug.