312 Die Erziehung des Menschengeschlechts.
ner Unsterblichkeit der Seele; es sehnte sich nach keinem künfti-gen Leben. Ihm aber nun schon diese Dinge zu offenbaren,welchen seine Vernunft noch so wenig gewachsen war: waswürde es bey Gott anders gewesen seyn, als der Fehler deseitcln Pädagogen, der sein Kind lieber übereilen und mit ihmprahlen, als gründlich unterrichten will.
§. 18.
Allein wozu, wird man fragen, diese Erziehung eines sorohen Volkes, eines Volkes, mit welchem Gott so ganz vonvorne anfangen mußte? Zch antworte: um in der Folge derZeit einzelne Glieder desselben so viel sichrer zu Erziehern allerübrigen Volker brauchen zu können. Er erzog in ihm die künf-tigen Erzieher des Menschengeschlechts. Das wurden Juden,das konnten nur Juden werden, nur Männer ans einem so er-zogenen Volke.
h.
Denn weiter. Als das Kind unter Schlägen und Liebko-sungen aufgewachsen und nun zu Jahren des Verstandes gekom-men war, stieß es der Vater auf einmal in die Fremde; undhier erkannte es auf einmal das Gute, das es in seines VatersHause gehabt und nicht erkannt hatte.
§. 20.
Während daß Gott sein erwähltes Volk durch alle Staffelneiner kindischen Erziehung führte: waren die andern Völker desErdbodens bey dem Lichte der Vernunft ihren Weg fortgegangen.Die meisten derselben waren weit hinter dem erwählten Volkezurückgeblieben: nur einige waren ihm zuvorgekommen. Und auchdas geschieht bey Kindern, die man für sich aufwachsen läßt;viele bleiben ganz roh; einige bilden sich zum Erstaunen selbst.
§. 21.
Wie aber diese glücklichern Einige nichts gegen den Nutzenund die Nothwendigkeit der Erziehung beweisen: so beweisen diewenigen heidnischen Völker, die selbst in der Erkenntniß Gottesvor dem erwählten Volke noch bis itzt einen Aorsprung zu ha-ben schienen, nichts gegen die Offenbarung. Das Kind derErziehung fängt mit langsamen aber sichern Schritten an; eshöhlt manches glücklicher organisirtc Kind der Natur spät ei»;