Druckschrift 
10 (1839)
Entstehung
Seite
315
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Die Erziehung des Menschengeschlechts.

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Unvollständigkcit des ElemcntarbuchS zu einem wesentlichen Feh-ler desselben machen.

H- 27.

Also mich konnten in den Schriften des Alten Testaments ,in diesen Elcmentarbuchcrn für das rohe und im Denken un-geübte Israelitische Volk, die Lehre von der Unsterblichkeit derSeele und künftigen Vergeltung gar wohl mangeln: aber ent-halten durften sie schlechterdings nichts, was das Volk, für dassie geschrieben waren, auf dem Wege zu dieser großen Wahr-heit auch nur verspätet hätte. Und was hätte es, wenig zusagen, mehr dahin verspätet, als wenn jene wunderbare Ver-geltung in diesem Leben darum wäre versprochen, und von demwäre versprochen worden, der nichts verspricht, was er nicht hält?

H. 28.

Denn, wenn schon ans der ungleichen Austheilung der Gü-ter dieses Lebens, bey der auf Tugend und Laster so wenigRücksicht genommen zu seyn scheinet, eben nicht der strengsteBeweis für die Unsterblichkeit der Seele und für ein andersLeben, in welchem jener Knoten sich auflöse, zu führen: so istdoch"wohl gewiß, daß der menschliche Verstand ohne jenem Kno-ten noch lange nicht und vielleicht auch nie auf bessereund strengere Beweise gekommen wäre. Denn was sollte ihnantreiben können, diese bessern Beweise zu suchen? Die blosseNcugicrde?

H. 29.

Der und jener Zsraclite mochte freylich wohl die göttlichenVersprechungen und Androhungen, die sich auf den gesanmitcnStaat bezogen, auf jedes einzelne Glied desselben erstrecken, undin dem festen Glauben stehen, daß wer fromm sey auch glück-lich seyn müsse, und wer unglücklich sey, oder werde, die Strafeseiner Missethat trage, welche sich sofort wieder in Segen ver-kehre, sobald er von seiner Missethat ablasse. Ein solcherscheinet den Hiob geschrieben zu haben; dem? der Plan desselbenist ganz in diesem Geiste.

§. 30.

Aber unmöglich durste die tägliche Erfahrung diesen Glau-ben bestärken: oder es war auf immer bey dem Volke, das diese