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4 (1838)
Entstehung
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24 Schriffie». dritter ?heil^

weisen kann. Man erinnere sich unter andern des achten, wosich der Tcjer im Traume sowohl mit schonen Mädchens alsKnaben hcrumjagt. Man erinnere sich scrncr des siebenden, woAmor mit einem hyacinthncn Stäbe den Anakrcon durch Felderund Gesträuche, durch Thäler und Flüsse vor sich her treibt.Lauter gleichende Dichtungen! Und wann Horaz die beydenZeilen:

<üur saeuiiü'il Zarinn lleeoi'u

I»toi' vei-Iici cadit linAua tilentiu^nicht auch dem Anakrcon zu danken hat; so hat er sie wenig-stens der Sappho abgesehen, die schon längst vor ihm das fin-stre Stillschweige» zu einem verräterischen Merkmale der Liebegemacht hatte. Man vergleiche sie nur mit der Übersetzungdes Catulls:

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ljuoc? lo^uai' amv»--.I^ingua soll tor^et-

Wann nun also diese Nachahmung seine Richtigkeit hat, sohabe ich mich weiter auf nichts als auf eine ganz bekannte An-merkung zu berufen. Auf diese nehmlich, daß eine wahre Lei-denschaft viel zu unruhig ist, als daß sie uns Zeit lassen sollte,fremde Empfindungen nachzubilden. Wenn man das, was manfühlt, singt, so singt man es allezeit mit ursprünglichen Gedan-ken und Wcndungcn. Sind abcr diese angenommen, so ist auchgewiß ihr ganzer Grund angenommen. Der Dichter hat als-dcnn ruhig in seiner Stube gesessen, er hat die Züge der schö-nen Natur aus vcrschicdncn Bildern mühsam zusammen gesucht,und ein Ganzes daraus gemacht, wovon er sich selbst, aus ei-nem kleinen Ehrgcitzc, zum Subjecte annimmt. Ich verrathehier vielleicht ein Geheimniß, wovon die galante Ehre so man-cher witzigen Köpfe abhängt; doch ich will es lieber verrathen,als zugeben, daß es unvcrrathcn schimpfliche Vermuthungenveranlasse.

Abcr, wird man vielleicht einwenden, hat denn Horaz nichtetwas cdlcrs nachbilden können, als die Symptomata eines sohcßlichcn Lasters? Und verräth den» nicht schon die Nachbildungdesselben einen Wohlgefallen daran? Das crstrc gebe ich zu, das