Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
29
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Rcttmigcn des Homz.

aber kcincii einzigen weder todctcn, noch gefangen nahmen, son-dern sie bloß, so viel als möglich zcrstrcuctcn, damit sie sichauf keine Art widersetzen konnten Was konnte mir also na-türlicher einfallen als der Gedanke, daß Horaz , wenn er wirk-lich sein Schild weggeworfen hätte, es ganz imd gar ohne Ur-sach müsse weggeworfen haben. Konnte er denn nicht etwagemächlich genug fliehen? Er brauchte ja so geschwind ebennicht zu seyn, da weder Tod noch Gefangenschaft hinter ihmbcr waren. Mit dieser vorgefaßten Meinung las ich die gleichdarauf folgenden Zeilen.

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Doiilo ^avontem lustulit ak'ro.Man darf, glaub ich, der Scharfsiimigstc eben nicht seyn, indiesen Worten den Dichter zu entdecken, der nichts weniger alsein Geschichtschreiber seyn will. Auch darf man der Belesenstenicht seyn, um zu wissen, daß Horaz hier den Homer nachgeahmthat, bey dem es eben nichts seltnes ist, daß ein Gott mittenin der Fcldschlacht, einen umringten Helden mit einer dickenWolke umgicbt, und ihn auf diese Art seinen Feinden entrückt.Wie aber, wann anch die vorhergehenden Zeilen von dieser Artwären? Wie wenn man auch in jenen Spuren einer Nachah-mung fände, die den Dichter mehr zu sagen verführt hätte, alser der strengen Wahrheit gemäß hätte sagen solle»? Würdenicht daraus folgen, daß man von dem weggeworfenen Schildenicht mehr und nicht weniger glauben müsse, als von der Wolke,in die ihn Merkur soll gehüllt haben?

Man erinnere sich also, was uns Herodotus und Strabo von dem Alcäus , demjenigen lyrischen Dichter melden, welchenHoraz zu seinem vornehmsten Muster gemacht hatte. DieserGrieche war so wenig ein blosser Poctc, daß er vielmehr diePoesie nur dessentwegen zu lieben schien, weil er durch sie sei-nen Haß wider die Unterdrücker des Vaterlandes am nachdrück-lichsten erklären konnte. Er war der Gegner des Pittacus, derdie Oberherrschaft in Mitylcnc mit Gewalt an sich riß, und denein Paar Sittcnsprüche, die noch so ziemlich sind, unter dieZahl der sieben Weisen gesetzt haben. Sein Unglück wollte, daßer nicht allein diesen seinem Feinde in die Hände fiel, sondern