Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
30
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Schrifften. Dritter Theil.

auch in einem Treffen, welches die Athenicnscr wider die vonLcsbos gewannen, sein Leben mit der Flucht retten, und seineWaffen im Stiche lassen mußte. Man weis, daß er diesenUmstand in seinen eignen Gedichten nicht verschwiegen hat, undihn auch nicht zu verschweigen brauchte, weil cr schon zu vielProben von seiner Tapferkeit gegeben hatte, als daß ihm dieserZufall hätte nachtheilig seyn können. Die Athenicnscr hingenscine Waffcn in einem Tempel der Pallas auf, und auch dieseswar ein Beweis, daß man sie für keine schlechte Beute müsseangesehen haben Vollkommen in diesem Falle war nun zwarHoraz nicht; abcr was hindert uns gleichwohl zu glauben, daßPompcjus Varus, an welchen cr die Ode richtet, und den crprimum tuorum suclalium ncnnct, gcnugsam von dem Muthedes Horaz könne überzeugt gewesen seyn, um das weggeworfeneSchild für nichts als für einen poetischen Zug anzusehen? Füreinen Zug, der seinem Freunde eine Gleichheit mit demjenigenGriechen geben sollte, mit welchem cr so vicl Achnlichcs alsmöglich zu haben wünschte.

Kurz, die ganze siebende Ode des zweyten Buchs ist nichtsals ein Schcrz. Und was ist im Schcrzc gewöhnlicher, als daßman sich selbst eine ganz andre Gestalt giebt; daß sich der Tapfreals einen Feigen, und der Freygebige als einen Knicker abbildet!Zn diesen Vcrstcllungcn licgt nur allzuoft ein feines Eigenlob,von welchem vielleicht auch Horaz hier nicht frey zu sprechen ist.Vielleicht war er einer von denen, die sich bcy Philippis am ta-pfersten gehalten hatten; vielleicht wußte cr scinc Thaten aus keinefcinre und zugleich klügrc Art zu crwchncn, als durch das Ge-gentheil. Ich sage: auf kcinc klügere Art; weil es ihm nach derZeit, als einem Lieblinge des Augusts, sehr schlecht angestandenhätte, so gerade hin damit zu prahlen. Ich berufe mich des-wegen kühnlich auf die Empfindung aller Dichter, ob sie wohl,-wenn sie an dcs Horaz Stelle gewesen wären, aus einer andernUrsache etwas Schlechtes von sich würden gesagt habcn, alsum etwas desto rühmlichcrs darunter verstehen zu lassen?

Was mich noch mchr in dcr Vermuthung bestärkt, daß dasweggcworfne Schild eine poetische Verkleinerung seiner selbst sey;ist die zweyte Stelle, wo Horaz seines Soldatcnstandcs gcdenkt.

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