Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
57
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Rettung des Cardans. 67

Gewinne verbunden ist; lind weil man von einem Richter wei-ter nichts fordern kann, als daß er mit seinem Ausspruchc aufdiejenige Seite tritt, welche das meiste Recht vor sich zu habenscheinet. Dieses aber findet sich, bey den Streitigkeiten, welchedie Wahrheit zum Vorwürfe haben, nicht. Man streitet zwarum sie; allein es mag sie der eine oder der andre Theil gewin-nen, so gewinnt er sie doch nie für sich selbst. Die Partheywelche verlieret, verlieret nichts als Irrthümer; und kann alleAugenblicke an dem Siege der andern, Theil nehmen. DieAufrichtigkeit ist daher das erste, was ich an einem Wcltwciscnverlange. Er muß mir keinen Satz deswegen verschweigen, weiler mit seinem System weniger übcrcin kömmt, als mit demSystem eines andern; und keinen Einwurf deswegen, weil ernicht mit aller Stärke darauf antworten kann. Thut er cSaber, so ist es klar, daß er aus der Wahrheit ein eigennützigesGeschäft macht, und sie in die engen Grenzen seiner Untrüg-

lichkcit cinschlicsscn will.--Diese Anmerkung also voraus

gesetzt, möchte ich doch wissen, wie man eine ernsthafte Beschul-digung daraus machen könne, wenn ein Philosoph auch die fal-schen Religionen, und die aller gefährlichsten Sophistercycn, indas aller vorthcilhafteste Licht setzt, um sich die Widerlegung,nicht sowohl leicht, als gewiß zu machen? Ich möchte doch wissen,was denn nunmehr daraus folgte, wann es auch wahr wäre,daß Larvan, den heidnischen, jüdischen und türkischen Glauben,mit so vielen und starken Gründen unterstützt hätte, daß auchdie aller feinsten Köpfe von ihren eignen Anhängern nichts mehrhinzu thu» könnten? Würden sie deßwegen weniger falsch blei-ben, oder würde unser Glaube deßwegen weniger wahr werden?

--Doch es fehlt viel, daß Cardan dieses gethan habe, daß

ich ihm vielmehr, zu meinem grossen Leidwesen, gleich das Ge-gentheil Schuld geben muß.

Ich behaupte also, er sey mit keiner einzigen Religion auf-richtig verfahren, als mit der christlichen; die übrigen alle hater mit den allcrschlcchtcstcn Gründen unterstützt, und mit nochschlechter» widerlegt. Man braucht nur ohne Vorurthcilc zuseyn, um hicrimic mit mir übcrein zu komme». Ich will vo»der heidnischen nichts, und von der jüdischen nur wenig geben-