Rettung des Cardans.
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fcn: haltet ihr noch fest an eurer Frömmigkeit? Za, segnetGott und sterbt! Wir wollen ihm nicht segnen; denn endlichwird er doch in einem Wetter hcrabfahrcn, und unser Gefäng-niß wenden, und uns zwcyfältig so viel geben, als wir gehabt
haben.--Zch will meinen Zsraclitcn nicht weiter reden
lassen; es sey nur eine Probe, wie leicht er die Trugschlüsse desCardans widerlegen könnte. Und eben so leicht würde ihn auchder Mahomctancr eintreiben, gegen dessen Glauben er noch un-gerechter gewesen ist. Ungerecht sollte ich zwar vielleicht nichtsagen; weil Unwissenheit, ohne Zweifel, mehr Schuld daranhat, als der böse Wille. Die Nachrichten, die man zu seinenZeiten, von dem Mahomct und dessen Lehren hatte, waren sehrunzulänglich, und mit tausend Lügen vermengt, welche diechristlichen Polcmici desto lieber für Wahrheiten annahmen, jeein lcichlrcs Spiel sie dadurch erhielten. Wir haben nicht ehereine aufrichtige Kenntniß davon erhalten, als durch die Werkeeines Rcland und Säle; aus welchen man am meisten erkannthat, daß Mahomct eben kein so unsinniger Bctrieger, und seineReligion eben kein blosses Gewebe übel an einander HangenderUngereimtheiten und Verfälschungen sey. Aber bey dem allen istCardan noch nicht entschuldiget: er, der sich um so viel unbe-kannte Sachen bekümmerte, hätte sich auch hierum erst beküm-mern können, ehe er eine Vcrglcichung wagte, die eine völligeErkenntniß voraussetzt, wenn sie einem Philosophen nicht unan-ständig seyn soll. Und was würde er wohl haben erwiedernkönnen, wann sich ein Muselmann, der eben der gelehrteste nichtzn seyn braucht, folgender Gestalt mit ihm eingelassen hätte.„Man sieht es wohl, mein guter Cardan, daß du ein Christbist, und daß dein Vorsatz nicht sowohl gewesen ist, die Reli-gionen zu vergleichen, als die christliche, so leicht als möglich,triumphircn zu lassen. Gleich Anfangs bin ich schlecht mit dirzufrieden, daß du die Lehren unscrs Mahomcts in cinc Classesetzest, in welche sie gar nicht gehören. Das, was der Heide,der Jude und der Christe seine Religion nennet, ist ein Wirr-war von Sätzen, die eine gesunde Vernunft nie für die ihri-gen erkennen wird. Sie berufen sich alle auf Höhcrc Offenba-rungen, deren Möglichkeit noch nicht einmal erwiesen »st. Durch