<;0
Schriffteu. Dritter Theil.
diese wolle» sie Wahrheiten überkomme» habe», die vielleicht i»einer ander» mögliche» Welt, nur nicht in der unsrigc», Wahr-heiten seyn können. Sie erkennen es selbst, und nenne» sie da-her Geheimnisse; ein Wort, das seine Widerlegung gleich beysich führet. Zeh will sie dir nicht nennen, sondern ich will mirsagen, daß eben-sie es sind, welche die allcrgröbste» und sinn-lichsten Begriffe von alle»,, was Göttlich ist, erzeuge»; daß siees si»d, die nie dem gemeine» Volke erlauben werden, sich sei-ne» Schöpfer auf ciuc anständige Art zu gedenken; daß sie essind, welche den Geist zu unfruchtbaren Betrachtungen verfüh-ren, und ihm ci» Ungeheuer bilden, welches ihr den Glaubennennet. Diesem gebt ihr die Schlüssel des Himmels und derHölle»; und Glücks genug für die Tugend, daß ihr sie mitgenauer Noth zu einer ctwamiigcn Begleiterin desselben gemacht!Die Verehrung heiliger Hirngcspenstcr, macht bey euch ohne Ge-rechtigkeit scclig; aber nicht diese ohne jene. Welche Verblen-dung! Doch dem Propheten selbst ist es nur zum Theil geglückt,euch die Augen zu cröfnc», uud ich sollte es unternehmen?Wirf eine» Blick auf sei» Gesetz! Was findest du darinnc, dasnicht mit der allcrstrcugstc» Vernunft übereinkomme? Wir glau-ben einen einige» Gott ; wir glauben eine zukünftige Strafeund Belohnung, deren ciuc uns, nach Maaßgcbung unscrcr Tha-ten, gewiß treffen wird. Dieses glauben wir, oder vielmehr,damit ich auch eure entheiligten Worte nicht brauche, davon sindwir überzeugt, und sonst von nichts! Weißt du also, was dirobliegt, wann du widcr uns streiten willst? Du must die Unzu-länglichkeit unsrer Lehrsätze beweisen! Du must beweisen, daßder Mcnsch zu nichr verbunden ist, als Gott zu kenne», undtugendhaft zu seyn; oder wenigstens, daß ihm beydes die Ver-nunft nicht lehren kann, die ihm doch eben dazu gegeben ward!Schwatze nicht von Wundern, wann du das Christenthum überuns erheben willst. Mahomct hat niemals dergleichen thun wol-le»; und hat er es denn auch nöthig gehabt? Nur der brauchtWunder zu thun, welcher unbegreifliche Dinge zu überreden hat,um das eine Unbegreifliche mit dem andcr», wahrscheinlich zumache». Der aber nicht, welcher nichts als Lehren vorträgt,deren Probierstein ein jeder bey sich führet. Wann einer auf-
l